Die Feuer prasselten weiterhin leise in den Tonnen, doch jetzt mischte sich das heisere Ge-flüster der Alten Menschen darunter die sofort anfingen Geschichten zu erzählen so, wie er es ihnen aufgetragen hatte. „Wenigstens einige die das tun, was man ihnen sagt“, dachte Bilvor zufrieden. Mit einem Stirnrunzeln beobachtete er die Milizsoldaten die sich langsam aus dem U-Bahn Tunnel an die Oberfläche stahlen. Einige von ihnen warfen einen schnellen Blick über die Schulter zu Bilvor, um dann hastig wieder nach vorne zu blicken. Er konnte ihre Ge-sichte durch die Atemmasken nicht sehen, aber er spürte ihre Angst. Wie ein kaum wahrzunehmder Geruch von einem Parfüm, waberte die Angst durch den Raum. Mit jedem Schritt den die Soldaten taten dachte sich Bilvor immer intensiver und energischer:“ Hallo?! Hallo?! HALLO?! Nehmt die scheiß Leiche mit!“ Aber keiner der Soldaten wagte es ihren toten Kameraden auch nur anzuschauen, so als ob sie nicht einmal existieren würde. Wie ein hässliches böses Übel dem man entgehen könnte, wenn man es nur konsequent genug ignorieren würde. Der Schein-Inquisitor der selbst eine militärische Ausbildung durchlaufen hat, war schockiert über die fehlende Kameradschaft. Er war wütend auf die Feigheit und die Pietätlosigkeit ihrem Kameraden gegenüber ihm nicht die entsprechenden Beerdigungsriten zukommen zu lassen. Bevor er irgendetwas sagen konnte, fiel ihm wieder ein, dass er den Soldaten ja selbst exekutiert hatte und die Soldaten ihren Kameraden deshalb nicht anfassten. Aus Angst so Solidarität zu ihrem Gefallenen zu bezeugen und der Nächste zu sein. Der Milizsoldat Bilvor war über alle Maßen betroffen und erschüttert – nicht, weil die Soldaten so dachten, wie sie dachten, denn er hätte in ihrer Situation nicht anders gehandelt. Nein schlimmer noch war, dass er nach kaum einer Stunde vergessen hatte, dass er einen Menschen ohne Grund ermordet hatte. „Was bist du nur für ein Tier?“, fragte er sich selber in dem Moment als er das Gefühl hatte etwas in ihm würde wie Glas zerbersten. Ohne zu wissen, was er gerade verloren hatte, spürte er, dass ihm nun für immer etwas fehlen würde. Ein Teil von seiner Seele den er in seinem Leben vorher nicht wahrgenommen hatte oder gar konnte, war nun unwiederbringlich verloren gegangen. War er wirklich schon an dem Punkt angekommen, an dem Morden eine ganz normale Sache für ihn war? Was war ein Menschenleben überhaupt wert? Konnte man es denn überhaut bemeßen? Machte es einen Unterschied was ein Mensch in seinem Leben vorher geleistet hatte, oder in welchem Stand er geboren wurde? Hatte er denn, auch wenn er für das Schicksal all dieser Menschen verantwortlich war das Recht auch nur einen für das Wohl aller zu Opfern? War es einer Authorität überhaupt gestattet so hart vorzuegehen? Keine einzige Frage konnte er mit Überzeugung beantworten. Aber es machte ihm Hoffnung dass er überhaupt noch in der Lage war zu erkennen dass das was er getan hat – nein! - tun musste, im Grunde genommen falsch gewesen war. Unglaublich müde ließ sich Bilvor auf den Hosenboden sinken, und starrte gedankenverloren an die Decke. „Wie soll das alles nur weiter gehen?“, fragte er sich immer und immer wieder. Die Zeit begann sich zu dehnen, während er saß, fing sie an zu zerfließen, wie Wasser und verlor an Bedeutung. Stunden wurden zu Sekunden und Sekunden zu Stunden.
Drei Woche später:
Der Boden vibrierte immer noch etwas, obwohl die Maschienen jetzt nur noch auf halber Leistung liefen. Nachdem die „Lucifer“ den Orbit um Armageddon erreicht hatte, wurden die Maschienen soweit herunter gefahren dass nur die nötigsten System mit Energie versorgt wurden. Somit wollte der Kommandant dafür sorgen dass im Ernstfall die Lasergeschütze genug Energie hatten und die Generatoren nicht wegen einer Überlastung ausfielen. Auch wenn die Raketen-, Torpedo- und Flakbatterien voll besetzt und auf höchster Alarmbereit-schaft waren, war die „Lucifer“ ohne Energiewaffen aufgeschmissen. Es dauerte eine ganze Weile bis Torpedos und andere Ballistischewaffen im All ihr Ziel trafen, das galt aber nicht für Energiewaffen. Deshalb war es umso wichtiger die Generatoren zu schützen damit diese im Ernstfall auch funktionierten. Das ganze Schiff brodelte vor Tatenkraft ihrer Insassen. Die Technikercrews versorgten das Schiff, die Kampfmannschaften übten einen Alarm nach dem anderen und die Astrophaten suchten den Warpraum nach Unregelmäßigkeiten ab.
Die letzten Wochen auf der „Lucifer“ waren sehr anstrengend gewesen. Es wurde permanent geübt – auf dem Schießplatz, in der Sporthalle, in der Taktikzentrale. Alles und jeder wurde darauf vorbereitet Armageddon zur Hilfe zu kommen. Einem der wichtigsten Industrie-planeten im ganzen Imperium. Nicht nur die „Lucifer“ der Ultramarines war auf dem Weg zu diesem Planeten, sondern auch Schiffe der Iron Fists und der Space Wolves, dazu noch un-zählige Schiffe der Imperialen Armee. Verstärkung war immer ein beruhigendes Gefühl, jedoch würde die „Lucifer“ die Speerspitze übernehmen und einige Zeit alleine auskommen müssen. Dies war auch der Grund warum alle Energie darauf verwendet wurde die Truppen auf den kommenden Kampf vorzubereiten. Das Problem war aber nicht die Ausbildung der Space Marines anbord der „Lucifer“ sondern dass niemand wusste welcher Gegner auf Armageddon anzutreffen war.
Vor einigen Wochen kam nur ein Notsignal von Armageddon auf der höchsten Dringlich-keitsstufe zum Oberkommando hindurch, danach brach die Verbindung ab. Alle Versuche mit Armageddon erneut kontakt aufzunehmen schlugen fehl. Das Oberkommando schloss die Orks kategorisch aus. Die grüne Horde war zwar die Geißel des Imperiums, aber sie waren nie und nimmer in der Lage Armaggedon so in Bedrängnis zu bringen, geschweige denn die Kommunikation so zu stören. Die Tau waren zu weit entfernt. Also kamen im Grunde ge-nommen nur 2 Fraktionen in Frage: Die Eldar oder das Chaos.
Veteranseargent des 33. Scouttrupps der „Lucifer“ Bakara Nimbus war sich nicht so sicher welche der beiden schlimmer war. Die Eldar würde sie in einen endlosen Guriella Krieg ver-wickeln, der immense Verluste zu Folge hätte. Ein Kampf gegen die Eldar hatte nichts von Fairniss, nichts von Ehre oder gar von Niveau. Solch ein Kampf war dreckig und hinterhältig. Mit jedem Schritt musste man damit rechnen einen Schuss in den Rücken zu bekommen. Es war für jeden eine ungeheure Anspannung jederzeit darauf gefasst zu sein von einem Scharf-schützen aufs Korn genommen zu werden oder in einen Hinterhalt zu geraten.
Jedoch waren die Eldar auf ihre Art und Weise ein vergleichsweise angenehmerer Gegner als das Chaos. Erzählungen zu folge sollen alle Welten die vom Chaos befallen waren stark nach Schwefel und vergammelten Fleisch riechen. Das Wasser schnell ungenießbar werden und der Wind soll einem die Schreie der Gefolterten zu tragen. Ein Planet der einmal vom Chaos be-fallen war, konnte sich nicht vollständig davon erholen. Die Macht des Warp war so immens, dass es den ganzen Planeten komplett neu gestallten konnte. Aus kleinen Bächen konnten riesege Ströme werden, aus Ebenen gigantische Berge und alles war behaftet mit dem Makel des Chaos. Gegen das Chaos zu kämpfen soll laut Erzählungen der pure Horror sein, grauen-hafte Dämonen brechen einfach aus dem Boden hervor um einen anzufallen. Horden von wahnsinnig gewordenen Kultisten sollen wie eine Welle über einen hinweg schwappen. Monströse Maschienen, zusammen gehalten von reiner Warpenergie, spucken Feuer und Tod über das Schlachtfeld.
Er hatte einige gesehen die es taten und keiner von ihnen war der selbe Mensch wie vorher. Natürlich veränderte der Krieg jeden Menschen. Jedes Scharmützel, jeder Kampf, jede Offensive veränderte einen. Aber diejenigen die den Kampf gegen das Chaos überstanden hatten, waren komplett anders. Einige wurden extremst gläubig was durchaus schlimmste Selbstgeißelungen führen mit sich brachte. Bei anderen hatte man das Gefühl als ob sie mit ihrem Leben abgeschlossen hätten – jeglicher Wille zu Leben war in ihnen tot. Solche Personen waren nur noch Hüllen die darauf warteten endlich dahin zu scheiden. Die meisten jedoch wurden einfach wahnsinnig und konvertierten zum Chaos.
Zumindest widerfuhr dies den normalen Imperial Soldaten, aber nicht ihm, nicht Bakara Nimbus! Ihm unterstand der 33. Scouttrupp aber demnach war er kein „vollwertiger“ Space Marine, aber das hatte bestimmte Gründe. Vor knapp 39 Jahren gab man ihm zu verstehen dass er die „Weihe“ bald empfangen dürfte, aber er bevorzugte es bei den Scouts zu bleiben da die Vorgehensweise dieser Klasse ihm besser lag. Das jedoch ändert nichts an der Tatsache dass er zur Elite des Gottimperators gehörte, die Bewahrer der Menschheit. Es gehörte zu seinen heiligen Pflichten das Chaos da zu vernichten wo es erschien. Jeden einzelnen Zenti-meter Boden würden er mit seinem Trupp zurück erkämpfen und reinigen. Mit un-nachgiebiger Härte würden sie die Blasphemie von Armageddon tilgen.
In voller Kampfmontur betrat Bakara den Taktikraum. Die Tür schwang automatisch mit einem leisen Rattern zur Seite auf. Das Licht des Kartentisches, der eine holographisches Projektion des Einsatzgebietes zeigte, erhellte den Raum im satten grün. Über dem Karten-tisch hingen Monitore die in alle Himmelsirchtungen zeigten und sämtliche Scanberichte der Sensoren der „Lucifer“ aufzeigten.
Das fettleibige Gesicht des Adjudanten Krimmel, dem persönlichen Lackaffen des Ober-kommandierenden Montros, hing über dem Kartentisch. Wie immer hatte er seine Kommissaren Mütze fest an seinen dicken Kopf gepresst, so dass es fast so aussah als ob sie bald reißen würde. Jeder wusste dass er nur seinen Metallschädel damit verbergen wollte. Man erzählte sich dass Krimmel sein halbes Gesicht und den kompletten oberen Teil seines Kopfes bis auf den Knochen weg gebrannt worden war, weil er seine Plasmapistole fallen lassen hatte und sich ein Schuss löste.. Sein Lohn – fast sein kompletter Kopf bestand nur noch aus Implantaten. Das einzige was ihm noch von seinem menschlichen Gesicht geblieben war, waren seine Mundpartie und sein rechtes Auge. Wenn man den Gerüchten glauben durfte, schämte er sich ungeheuer für sein Missgeschick und wollte niemals darauf an-gesprochen werden. Angeblich soll er einmal einen Soldaten exekutiert haben, weil er es ge-wagt hatte mit seinen Kameraden über seinen Metallschädel zu scherzen. Umso krotesker wirkte sein Gesicht, auf der einen Hälfte die chirugisch perfekte metallische Form eines menschlichen Kopfes, und gleich daneben die aufgeblasenen schwabbeligen menschlichen Gesichtszüge.
Nimbus war immer wieder zwiegespalten wenn er ihn sah. Zum einen war der Fette ein Nichts in seinen Augen. Er war nur ein Imperialer Kommissar. Er hatte keine großen Schlachten geschlagen, keine nennenswerter Erfahrungen gemacht – bis auf die mit der Plasmapistole. Bakara unterstellte ihm sogar, dass er das weite Suchen würde sobald er nur einen Feind sah – so wie alle Imperialen Soldaten auch. Andererseits hatte er sich seit dem betreten der „Lucifer“ vor 10 Jahren sich keinen einzigen Fehler erlaubt.
Wie dieser Fettsack unter den Befehl des Oberkommandierenden kam, wusste er nicht. Er wusste nur dass dieser Wicht eigentlich keine Befehlsgewalt hatte, Oberkommandierender Montreal schickte ihn nur los wenn er eine Aufgabe als reine Zeitverschwendung ansah da er wichtigere Dinge zutun hatte. Darunter zählten wohl auch Missionsbriefings.
Krimmel stieß sich seicht vom Kartentisch ab, um eine aufrechte Position zu bekommen. Dabei bemerkte Nimbus dass er einen halben Schritt vom Tisch wegstehen musste wegen seines Körperumfanges. Ein fast unmerklich leises Surren ging von seinem Augenimplantat aus, dass durch die Mischung von Grüntönen im Raum leicht geblich schimmerte, als er Nimbus fokusierte. „Veteranseargent Bakar Nimbus: Sie und Ihr Trupp werden mit allen uns zur verfügung stehenden Spähern auf den Planeten gebracht. Ihre Aufgabe wird es sein ganze 3 Tage die Gegend zu sondieren. Unsere Schiffsscanner konnten keine klaren Ergebnisse bringen. Wir wissen also immer noch nicht mit wem oder was wir es zutun haben. Geschweige denn wie stark die Feinde überhaupt sind. Alle Späher …“ – Nimbus hasste es wenn er das Wort „Späher“ in den Mund nahm. Kommissar Krimmel bevorzugte es den Imperialen Fachjargong zu benutzen. Für ihn waren seine Brüder der Ultramarines keine Space Marines sondern „Schwer gepanzerte taktische Kampftruppen“ und ein „Predator“ war für ihn ein „Mittelschwerer Kampfpanzer“. Immer wenn er das Wort Späher in den Mund nahm, fühlte sich Nimbus herab gesetzt, so als ob er zur Imperial Armee gehören würde. Aber er schluckte seinen Ärger herunter und hörte der schnotternden Stimme weiter zu:„ … Alle Späher haben die Anweisung jeglichen Feindkontakt zu vermeiden. Wenn es möglich ist sollen sie sich mit den lokalen Verteidigungskräften in Verbindung setzen. Der 33. Späher-verband wird im Sektor 156 D-K auf „Armageddon Secundus“ 450 Kilometer von der Makro-pole „Tartarus“ abgesetzt. Im Umkreis von 50 Kilometern Ihrer Zone sollte sich eine kleinere Stadt mit dem Namen „Midus“ befinden. Sie dient zur Herstellung von kriegswichtigen Vor-produkten. Nach Ablauf Ihrer Einsatzzeit werden wir Sie an Ihrer Abwurfzone wieder auf-sammeln. Fragen?“. Mit einem entschiedenen Kopfschütteln, warf er noch einmal einen Blick auf die Karte – drehte sich dann um und verließ den Taktikraum. Beim Herausgehen konnte er Krimmel noch verägert grunzen hören, er hatte wohl erwartet dass er vor ihm salutieren würde aber dass machten nur Imperiale Soldaten.
(to be continued)