off.topic:,, Und es geht heiter weiter."
In letzter Sekunde
,,Verdammt...die Sonne.“ spürte Yessy den sengender Schmerz auf ihrer Haut, wie ein glühendes Hufeisen, brannte sich die Sonne durch ihren Körper. Sie hatte sich verrechnet. Sommerzeit, sie hatte vergessen die Uhr vorzustellen.
,,Nein.......Ich will nicht.“ fauchte sie und landete in eine dunkle Gasse. Hier war die Sonnen noch nicht vorgedrungen, aber das würde sie bald. Schnell suchte sie nach einem sicheren Versteck.
Der stählerne Müllcontainer bot Schutz, noch, jedoch wäre es bald damit vorbei.
,,Verflucht...wo.“ zitterte sie aus Angst vor ihrem Ableben.
Ihre Augen waren trocken durch die plötzliche Lichteinwirkung, sie sah kaum etwas. Nicht mehr als ein kurzsichtiger Mensch. In diesem Moment hätte sie wirklich jeder vernichten können, selbst der schlechteste Vampirjäger. Es wurde schlimmer. In ihren Kopf drehte sich alles. Alle ihre Sinne tanzten im Kreis, wie eine Alkoholikerin kroch sie über die schmutzige Gasse, zwischen Ratten und leeren Bierdosen.
Plötzlich gab der Boden unter ihr nach und sie stürzte eine harte Betontreppe hinunter und krachte mit ihrem zierlichen Kopf direkt gegen eine gusseiserne, rostige Tür.
,,Rettung.“ schnaufte sie und drückte die Klinke runter, aber nichts geschah. Abgeschlossen.
,,Jetzt habe ich die Faxen dicke.“ kreischte sie und warf sich mit voller Wucht gegen das Eisentor.
Es quietschte und knarrte, wollte aber nicht nachgeben. Immer wieder warf sich die verzweifelnde Vampirin gegen das Tor. Immer wieder blickte sie zum Schatten, der ihr Schutz bot und ständig kleiner wurde. Er wich den Licht.
,,BITTE!“ richtete sie ein Stoßgebet zum Himmel und nahm das Quietschen der Scharniere. Sie gaben nach.
,,Ja...weiter.“ warf sie sich immer wieder gegen die Tür, egal wie sehr ihr Körper schmerzte. Ihre Schulter war schon ausgerenkt, doch das Adrenalin, daß durch ihre Adern peitschte, unterdrückte jeden Schmerz.
Mit einem knirschenden ''Klack'' brachen die Scharniere unter Yessy hoffenden Kraftaufwand und die Tür schmetterte mit ihr in den Raum. Wie ein Geschoss traf sie auf den Boden auf und wurde durch die leichte Federung, ein paar Meter weiter geschleudert. Ein Katapulteffekt.
Sie schlitterte über den matschigen, braunen Boden und traf gegen einen blechernen Behälter. Ein Fass mit einem weißen Totenkopf.
,,Hm....“ murmelnd stand sie auf und las die Aufschrift. „Rattengift“
Sie hatte sagenhaftes Glück. Direkt vor einem stillgelegten Lager gelandet. Die Spinnenweben, um die vielen Kisten und Fässer sprachen eine deutliche Sprache.
Hier war seit Jahren niemand gewesen, bis auf die vielen Ratten, die in den dunklen Raum ihr Unwesen trieben.
Das schrille Quietschen dieser Nager war für sie beinahe unerträglich. Diese kleinen Tiere hatten keine Angst vor Vampiren, nicht einmal eine gesunde Ehrfurcht.
Naja, dachte Yessy und setzte sich auf eine Kiste. Hier war sie erstmal sicher und im Notfall musste sie das Blut einer Ratte trinken. Bei dem Gedanken wurde ihr schlecht.
Ihr Magen drehte sich und sie übergab sich. Es war eine durchsichtige Flüssigkeit. Magensäure, da sie keine feste Nahrung mehr zu sich, obwohl sie es konnte.
Nur hatte ein Stück Schokolade oder ein belegtes Brötchen keinen Nährwert mehr für sie. Nur noch Blut konnte sie am Leben erhalten. Manche ihrer Gattung aßen nur aus Lust an die alten Zeiten etwas. Seltsamerweise war Milch das Einzige, was Jungvampire noch ernähren konnte.
Auf ältere Vampire von über einem Jahr hatte Milch keine Wirkung mehr.
Das wenige Licht, daß durch die kleinen, verschmutzen Fenster fiel, war ihr genug. Sie hätte auch ohne genug gesehen, doch ihr Körper war durch den Einfall der Sonne in Mitleidenschaft gezogen. Und das nicht zu knapp. Vorsichtig zog sie sich die verbrannte Haut von den Knochen und biss tapfer die Zähne zusammen.
,,Argh..wie das zieht.“ zischte sie oft etwas verärgert. Nicht über ihren malträtierten Körpern, sondern mehr über ihre wehleidige Art. Die anderen Vampire von Codex würden auch nicht jammern, auch nicht, wenn man ihnen bei lebendigen Leibe ein Auge entfernte. Bei dem Gedanken lief ihr das kalte Schaudern über den Rücken. Wie konnte man sich nur mit eine Mischung aus Zange und Nadel, die Augen entfernen lassen und sie durch kybernetische Implantate ersetzen?
Eine ziemlich widerliche Vorstellung. Das erinnerte sie schon etwas an die aus Star Trek bekannten Borg, eine kybernetische Rasse, die nach der absoluten Perfektion strebte und dabei jede Form von Individualität aufgab. Eigentlich mochte sie die Serie nicht, aber wieder einmal hatte ihr Bruder damit ihr in den Ohren gelegen. Seine kläglichen Versuche, sie für das Sci-Fi oder Fantasy-Genre zu begeistern waren recht Kraft aufwendig gewesen, aber erfolglos.
Je mehr er sich angestrengt hatte, desto verbissener hatte sie ihren Standpunkt verteidigt.
,, Jetzt fange ich schon bald Selbstgespräche an.“ munkelte sie still und leise, kaum hörbar durch das ständige Quietschen der Ratten.
,,SCHNAUZE!“ brüllte sie zurück und bemerkte erstaunt, wie eine leere Coladose, durch die Schallwellen ihrer Stimme durch den Raum geschossen wurde. Mit einem blechernen Knacken knallte die Dose an die steinerne Wand am Ende des langen Raumes.
,,Ok, das ist neu.“ sagte sie leicht perplex und grinste dann. Eine neue Fähigkeit. Zu schön, dachte sie und machte einen Freudensprung.
Dann hatte dieser Tag doch noch etwas Gutes und war nicht völlig verloren. Damit könnte sie bei der Zunft Eindruck schinden. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie hoch der Stellenwert ihrer neuen Kraft war, aber sicherlich war er nicht uninteressant. Vielleicht konnte sie sogar Stahl verbiegen, wenn sie sauer genug war.
Das wollte sie aber nicht testen, noch nicht. Ihre derzeitige Behausung wirkte ohnehin schon instabil genug, eine Erschütterung durch Schallwellen würde es bestimmt nicht überstehen, aber vielleicht wären dann die Ratten ebenfalls Geschichte.
Obwohl eigentlich nicht. Diese Biester konnten scheinbar alles überleben. Selbst Rattengift schadete ihnen nicht immer.
,,Wie lange muss ich denn noch hier rumhängen.“ ging sie ungeduldig im Kreis. Die Tatsache über ihre neuen, noch nicht erforschten Fähigkeiten und das sie hier eingesperrt war bis es dämmerte, ließ ihr keine Ruhe. Zum Einen hasste sie diese dreckige, versiffte Umgebung und zum Anderen war sie der einzige Schutz vor der Sonne.
Plötzlich nahm sie einen fauligen Geruch war. Verwesendes Fleisch und ein Schatten fiel zur Tür herein.
,,Nym?!“ fragte Yessy, obwohl sie die Antwort schon kannte.
,,Ich habe euch gefunden, Herrin.“ stöhnte der widerliche Untote und trat zu Tür herein. Sein Gestank war entsetzlich. Der Verwesungsprozess war wohl erneut fortgeschritten. Auch das hatte mit den Tage zu tun. Ein Guhl war bei Nacht unsterblich, genau wie sein Erschaffer. Nur erbte er auch die selbe Empfindlichkeit gegen helles Tageslicht.
Jetzt da ihre Augen sich langsam regeneriert hatten, konnte sie sehen ,daß Nym kaum noch Fleisch besaß. Fast sein gesamtes Gesichtsfleisch war abgefault und nur noch der gelbe Schädelknochen war zurückgeblieben.
Auch an seinen Gliedmaßen und am Körper war das Gleiche passiert. Er wirkte dürr, ähnlich einer wandelnden Vogelscheuche, nur roch er entsetzlich. An seinen Kleidung klebte noch etwas von den madigen Fleisch.
,,Entschuldige mich kurz.....“ hob Yessy den kleinen Finger und übergab sich erneut. Ihr war wirklich schon schlecht gewesen, aber die Mischung aus verfaulenden Fleisch und den ekelhaften Anblick ihres Dieners, konnte selbst der stärkste Magen nicht verkraften.
,,Wie hast du mich gefunden?“ wollte sie wissen und wischte sich mit den Ärmel den letzten Rest der durchsichtigen Magensäure vom Gesicht. Den beißenden Geschmack und das Brennen in der Speiseröhre würde sie noch lange spüren.
,, Ich bin durch das Land des Lichtes gewandelt und war Zeuge des Aufstieges.....“ klapperte der Unterkiefer bei jeden Wort des unheimlichen Guhls.
,,Was? Sprich mal Klartext, verdammt nochmal.“ fluchte Yessy und war mehr oder weniger über die angeberische Art ihres Untergebenen gekränkt.
,,Ich bin kein Guhl mehr, ich bin nicht mehr an die beschränkte Lebensweise gebunden. Ich kann frei denken und stelle mich erneut in eure Dienste.“ kniete sich Nym hin und blickte sie an. Er jetzt fielen ihr die glühenden, grünen Augen des Untoten auf, die in dessen Schädel wie Glühwürmchen tanzten.
,, Aha....“ sagte Yessy matt und überlegte. Was hatten die Ausbilder der Zunft ihr erzählt. Auch Guhle können aufsteigen, nur ist ihr Weg nicht von ihrer Gnade abhängig. Nur durch unerbitterliche Treue und den Willen zu dienen, erlangen diese willenlosen Diener die Gnade der Finsternis und steigen zu den sogenannten Königs-Guhlen auf, die durch erstaunliche Fähigkeiten und einen eigenen Willen verfügen.
,,Ohne euch wäre ich nie in diesen Zustand gelangt und mein Ehrgefühl verlangt das Sklaventum.“ erklärte Nym seine Beweggründe, doch Yessy war nicht bereit ihm zu glauben. Er war in seinem Leben ein Mörder gewesen, warum sollte er dankbar für seinen Tod sein?
,,Und warum?“ blickte sie auf den klapprigen Königs-Guhl und erwartete eine Antwort. Sie konnte eine Lüge förmlich wittern, besser als jeder Lügendetektor.
,,Ganz einfach. Ich lebe ewig und ihr auch. Warum sollte ich nicht die Ewigkeit mit jemanden verbringen, der meine Ansichten teilt?“ lachte Nym in vollster Überzeugung seiner Worte.
Yessy war geneigt ihm zuzustimmen, sie hatte keine Lüge gespürt, aber auch keinen Funken Wahrheit. Wie es schien, musste sie sich auf ihren Instinkt verlassen und dieser sagte ihr:,, Glaube ihm!“
,,Na schön...überredet.“ stöhnte sie und setzte sich auf ihre bewährte Kiste, neben den Erbrochenen, daß man durch seine Transparenz auf den schmieren, verdrecktem Boden nicht erkennen konnte.
,,Es geht euch schlecht. Ich erkenne sowas. Deshalb habe ich euch etwas mitgebracht.“
mit diesen Worten zog er eine leere Mineralwasserflasche aus blauen Plastik hervor. Das Etikett war abgerissen, aber sie konnte deutlich eines erhaschen.....BLUT! Dieser metallische, süßliche Geruch war so wunderbar, daß sie mit glasigen Blick auf Nym zu schlenderte.
Jetzt war sie die willenlose Marionette und er hatte sie ganz in der Hand, auch wenn der diese Macht nicht ausspielte.
,,Gib es mir......“ sagte sie gierig und griff nach der Flasche. Nym reichte sie ihr, ohne sie in ihren Zustand zu überraschen. Jetzt wäre sie wirklich einfach zu töten gewesen. Eine schöne Trophäe und die einfachste Form der Rache.
Wie jemand der die brennende Sahara durchquert hatte, kippte Yessy sich das inzwischen kalte, leicht zähflüssige Blut hinunter. Es glitt ihr die Kehle hinab und sie erfreute sich an den frischen Leben, daß ihren Körper durchströmte.
,,Ja......“ lachte sie und ihre Wunden verheilten in einem unbeschreiblichen Tempo. Die immer noch verbrannte Haut wurde abgestoßen und fiel klatschend zu Boden.
,,Danke......“ lächelte sie ihren Diener an und hörte eine Stimme in ihrem Kopf.
,,Die Zunft erwartet dich.“........