Im Großen und Ganzen ist es schade, dass wir einen solchen Thread in unserem Forum haben, aber ich werde mich dennoch daran beteiligen, da ich ja nicht ganz unbeteiligt an dem Aufkommen dieses Threads bin.
Alles in allem sind wir hier schon mit dem ersten Post in die falsche Richtung gegangen, um die Frage zu klären, ob Beileidsbekundungen Heuchelei sind.
Dennoch will ich mal zu einem Teil des ersten Posts was sagen.
Quote
Original von Terromortis
Nichtsdestotrotz ist es doch so, dass die Menschen dort und in vielen anderen Gegenden der Welt ohnehin Spenden brauchen?
Aber warum spendet man sonst so wenig, und nur wenn eine Flut kommt?
Weil viel Rummel drum gemacht wird, und man will ja gut dastehen, und Mitleid zeigen. Warum?
Wenn sonst irgendwo Menschen vor Hunger oder Durst verrecken, oder weil sie kein Haus mehr habe, interessiert doch auch keinen?
Also sollte man nicht so tun.
Probleme in unserer westlichen Gesellschaft gibt es genügend, alleine in Deutschland lebt jedes fünfte Kind in Armut (auch, wenn man dies nicht mit der Armut von Kindern in Äthopien gleichsetzen kann).
Der Mensch ist von Natur aus darauf erpicht, erstmal seine eigenen Probleme zu lösen, da ist es nur verständlich (und meiner Meinung nach nicht halb so schändlich, wie du es darstellst), dass wir nicht die ganze Zeit Lebensmittel nach sogenannten „Dritte – Welt – Ländern“ verschicken.
Davon ab sind die meisten Deutschen (ich gehe mal nur von Deutschland aus, da wir hier fast alle aus Deutschland kommen) nicht halb so aufgeklärt darüber, wie viele Hilfsorganisationen tagtäglich daran arbeiten armen Ländern und Menschen zu helfen.
Was bringen Geldspenden, wenn der amtierende Präsident damit Waffen für den Bürgerkrieg kauft?
Außerdem muss eine Hilfsorganisation bei einer langfristigen Hilfe darauf achten, dass sie den bedürftigen Ländern nicht die Werte der westlichen Welt aufzwängen, was leider oft genug passiert, daran hängt viel Kapital (Kolonialisierung).
Zu sagen, dass die Armut in der Welt niemanden interessiert finde ich doch etwas übertrieben.
Quote
Original von BoNeCrUsHeR
aber man muss halt unterscheiden
jemand sein beileid zu bekunden, heist ja nicht das man gleich selbst trauert
sondern das man verständnis für die situation des anderen zeigt
beileid heucheln tut man also nur dann wenn die situation von anderen nicht respektiert
Den Unterschied hat Bone recht gut herausgearbeitet, leider gehen viele noch davon aus, dass Beileidsbekundung gleich Trauer gleich Heuchelei ist.
Zu weinen, wenn jemand stirbt, den man nicht kennt ist vielleicht Heuchelei, aber den Hinterbliebenen sein Beileid auszusprechen ist ein anderes Paar Schuhe.
Quote
Original von Deva
Hmmm ich sage jetzt ganz ehrlich, ich kann nur jemanden mein Beileid aussprechen, den ich auch kannte. Wenn ich jetzt zu nehm bekannte sage, mein Beileid und ich kannte den Verstorbenen nicht, dann ist es Heuchelei.
Wieso? Wenn ich meinen Bekannten und Freunden sage, dass es mir für sie leid tut, dass sie jemanden verloren haben, der ihnen nahe stand, den ich aber nicht kannte, dann ist es doch keine Heuchelei und selbst zu einem Fremden zu sagen, mit dem man ins Gespräch kommt und der dir dann erzählt, dass vor kurzem seine Mutter gestorben ist, dass es dir für ihn leid tut, was er da gerade durchmacht, ist doch keine Heuchelei.
Aber jedem seine Meinung.
Quote
Original von Menegoth
genau das ist es ...
du machst es aus Höflichkeit/Respekt, aber meinst es nicht wirklich
Höflichkeit ist an dieser Stelle wahrscheinlich das falsche Wort. Aber, wenn ich etwas aus Respekt mache, dann meine ich es nicht ernst? Diesen Zusammenhang muss mir mal jemand erklären.
Quote
Original von calavera
wenn ich ihn gekannt haette oder auch nur losen Kontakt mit ihm gehabt haette, den ich geschaetzt haette, wuerde mich dieser Vorwurf der Heuechelei und diese Respektlosigkeit ziemlich wuetend machen.
Nur weil man im Internet jedem seine Meinung unter die Nase reiben kann, muss dass nicht heissen dass sie auch jeder hoeren will
Der Grund, weshalb ich so wütend geworden bin sehr schön dagelegt. Jeder kann seine Meinung haben, aber es nervt schon eine „versteckte Botschaft“ zu lesen, die besagt: „Ich bin zu hart für Mitleid, Trauer oder Respekt!“ Vor allem, bei einem ernsten Thema.
Quote
Original von prime|brave
gerade die heutige generation verfällt in gleichgültigkeit. tote hier, krieg da, scheiss drauf. klar, logisch betrachtet macht es keinen sinn, und ist auch niemandem zu raten, um alle menschen zu trauern. aber es sollte nicht sein, dass man hier in einer sehr engen community, wenn ein mitglied verstirbt, sein beileid nicht ausprechen darf.
Gleichgültigkeit genau das ist das Wort, das ich beim oberen Zitat auch hätte verwenden müssen.
Etwas verdreht finde ich vor allem, dass Menschen nicht schockiert sind oder vorgeben nicht schockiert zu sein (oder von mir aus auch betroffen), mit der Begründung: „Woanders geschehen auch schlimme Dinge.“
Quote
Original von Terromortis
Nunja, mir geht es wie Deva, ich kann nur Beileid aussprechen, wenn ich weiß wie derjenige war. Wenn ich weiß, dass es n Arsch war, werd ich kein Beileid aussprechen. Ebenso wenn ich denjenigen nicht kenn, da ich nicht weiß, ob derjenige überhaupt beileid verdient hat.
Nur, weil du der Meinung bist, dass jemand ein Arschloch war, heißt das nicht, dass alle anderen auch der Meinung sind.
Selbst Hitler wurde geliebt, mehr sogar als viele andere bessere Menschen und bei Che Guevara heulen alle, weil er nicht mehr lebt, obwohl er Folter auch nicht abgeneigt war.
Allerdings sind das jetzt einfach nur zwei Extreme, die man wohl aus diesem Thread ausschließen kann. Wollte es nur einmal ansprechen.
Quote
Original von .Ronin.
Definitiv, zusätzlich find ich es auch nicht gerechtfertigt das einige leute mich direkt angegriffen haben. Der einzige der Eier hatte mit mir mal darüber zu reden war der LaZy.
(was ich gut fand)
Was bedeutet für dich Eier haben? Sich entschuldigen, das werde ich nicht tun und mit dir darüber reden, von mir aus, aber von meiner Meinung werde ich nicht abkommen, warum? Dazu mehr.
Quote
Original von .Ronin.
Desweiteren stimme ich auch der tsunami kacke zu. Ich habe mich damals als ich noch in der schule war, geweigert bei der Trauerminute mitzumachen, da ich es für schwachsinn halte. Was haben die toten davon? nichts! warum heucheln wir dann trauer? aus respekt?
Hier ein Beispiel, weshalb ich von meiner Meinung nicht abweiche oder mich entschuldige.
Tsunami Kacke? Nun, ich deute es mal mit schwarzem Humor (von dem du ja auch vorgibst eine Menge zu haben), dass es scheisse war, dass diese Tsunami Katastrophe geschehen ist...
Warum auch immer diese Pauschalisierung? Warum heucheln wir Trauer? Ich habe nie Trauer geheuchelt und war von der Katastophe genauso entsetzt, wie ich es bin, wenn ich Kinder ohne Fleisch im Fernsehen sehe.
Mag sein, dass es viele Leute gibt, die plötzlich aus ihren Löchern gekrochen kommen, weil sie sich zu sehr von den Medien beeinflussen lassen.
Ja, ich weiß ist wieder eine kleine Beleidigung, aber ich finde Ronins Posts nur naiv bis pseudo-intellektuell, aber jeder Mensch wächst anders auf und kommt so zu anderen Ansichten, was auch seine positiven Seiten hat – vor allem in einer Demokratie…
Quote
Original von SyRia PlaYa
Zur Tsunami. In Afrika sterben täglich tausende Menschen an Aids aber keinen interresierts, niemand spendet soviel wie bei der Tsunami.
Wieder ein Beispiel für die Begründung: „Ich finde Mitleid unangebracht, weil an anderen Stellen auf der Erde passieren auch schlimme Dinge!“
Bosnien hat kein Öl, deswegen sind da auch keine Amis, denkt mal drüber nach.
Quote
Original von ToolOfMyDemons
Ich habe allerdings das Gefühl, dass solche Situationen (wenn jemand plötzlich verstirbt) den Leuten nur die eigene Sterblichkeit vor Augen führt und man dann als Reaktion darauf plötzlich daran Anteil nehmen will. Praktisch um irgendwie damit umgehen zu können (jetzt kommt der Psychologiestudent in mir durch ^^)
Interessante Theorie, aber etwas zu verzwickt um das hier zu diskutieren 
Quote
Original von ToolOfMyDemons
Ein normales "mein Beileid" ist imo völlig okay, alles andere wird schnell zur Selbstprofilierung. Muss nicht, kann aber.
Ich hab den Post mal aus Platzgründen hierauf zusammengefasst.
Denn in dem Post von ToolOfMyDemons wird Ronins Meinung z.T. in verständlicher "Nicht-Fäkalsprache" ausgedrückt.
Der einzige Unterschied ist, hier ist Beileid aussprechen ok, solange man sich damit nicht selbst hervorheben will und das wiederrum ist dann meine Meinung.
Schöner Post mit einem guten Beispiel übrigens, wenn man das Thema verfolgt, dann sollte man sich diesen Post durchlesen und sich dazu mal Gedanken machen.
Quote
Original von .Ronin.
es gab eine durchsage, und einige weinten. aber man konnte vielen meiner freunde die wahrheit ansehen. Es war ihnen scheiss egal. aber sowas von dermassen latte.
Die mobbing opfer, machten sogar eine kleine feier wie ich das so mitbekommen habe.
Andere wiederum Bekundetetn ihr beleid. Lehrer die vorher mit den jungz nur äger hatten, taten nun so als wären es die besten musterschüler gewesen und eine lehrerin weinte sogar.... >.>
Ich weiß auch nicht, warum du so erpicht darauf bist, Leuten ihre Heuchelei (wenn es denn Heuchelei ist) vorzuwerfen.
Und die Beileidsbekundungen hier kamen nicht von Lehrern, die Probleme mit dem Verstorbenen hatten... ich schreibe dies extra allgemein.
Und Beileid auszudrücken oder zu trauern sind zwei verschiedene Sachen, die ich weiter oben schon aufgefasst habe.
Dazu kommt außerdem, dass jeder Mensch anders ist und es somit kommt, dass manche Menschen eben auch Gefühle zeigen und trauern, wenn es eigentlich irrational ist...
Dies ist jedem selbst überlassen, aber anderen dann Heuchelei vorzuwerfen hat für mich etwas mit Unreife zu tun.
So versucht man sich nämlich genau so herauszuheben, wie es die „Heuchler“ beim Heucheln tun, denk mal drüber nach.
Quote
Original von Timotheus
Aber wenn so ein paar amerikanische Bürobonzen von ein paar Fanatikern abgemurkst werden heult die ganze Welt, obwohl man davon ausgehen kann, daß diese Amis in der Zeit in der sie lebten ein wesentlich angenehmeres Leben hatten als viele Menschen (Kinder) anderswo auf der Welt, die nichts als ein Leben voller Entbehrungen und Enttäuschungen kennen.
Nun es befanden sich nicht nur amerikanische Bürobonzen (die übrigens zu einem Großteil hart für ihr Geld und ihren Lebensstandard arbeiten - z.T. haben Amerikaner 3 Jobs und sind dann noch nicht einmal gesetzlich krankenversichert) sondern auch andere Menschen, aus aller Welt, aller Religionen, Hautfarben etc. im WWC.
Sicherlich sollte man drüber nachdenken, ob es gerechtfertigt ist, dass wir in der westlichen Welt wohlhabender sind, als viele andere Menschen auf der Welt und dass wir die Chance haben, durch Bildung etwas zu erreichen, aber vor allem solltet ihr alle, die ihr andauernd mit dem "Afrika-Argument" ankommt froh darüber sein, dass ihr so priviligiert seid, Bildung genießen zu dürfen und Geld für Luxusgüter wie PC und Dawn of War habt.
Leider hat das hier nichts mehr mit Trauer oder Beleidsbekundungen zu tun, sondern geht in Richtung Politik.
Ich jedenfalls finde diesen Thread nicht halb so gut, wie Terrormortis, da ich persönlich eher von der Naivität erschrocken bin, mit der ich es hier zu tun habe. Das gilt natürlich nicht für alle User.