QuoteDisplay MoreOriginal von Asca
Okay, mal meinen Senf hier dazu geben.Ich bin durch mit Schule. Schulweg war der heutzutage "normale" von der Grundschule ins Gymnasium, nie durchgefallen, nie übersprungen, Abitur mit 19 Jahren gemacht und bestanden. Ich hatte nie großartige Probleme, auch wenn es immer mal wieder Hassfächer und Ausrutscher gab, die in den früheren Klassen schonmal die Eltern durchdrehen haben lassen oder zu kleineren Heulereien geführt haben. Ich hatte nie Verweise, obwohl ich manchmal Scheisse gebaut habe. So blöde, da dann mich bestrafen zu lassen, war ich schon damals nicht. Ich war ein eher ruhigerer Schüler, nicht übermäßig beliebt, habe die Klasse in der 10. gewechselt weil ich bis dahin nur gemobbt wurde, vor allem als meine Freunde vom Gymnasium abgegangen sind. Aber der 10. hat sich meine Persönlichkeit rapide verändert, und auch meine Einstellung zu gewissen Dingen. Und damit sind meine Noten auch gut nach oben geschnellt. Dazu später mehr. Ich hab Mathe gehasst, Physik und Sport genau wie Bio geliebt, Geschichte durch einen Lehrer in der Oberstufe angefangen überaus faszinierend zu finden und Deutsch- und Englischlehrer nach Strich und Faden durch den Kakao gezogen und trotzdem 15 Punkte oder 1er kassiert.
Kurz: Ich war ein ziemlich normaler, vielleicht begabter mathehassender Schüler, der relativ unbeliebt in seiner alten, dafür akzeptiert in seiner neuen Klasse war, von den meisten Lehrern halt einfach so hingenommen, von einem (Geschichte) habe ich mich patroniert (sagt man das so?) gefühlt, genau wie alle anderen in der Klasse. Sport war immer "mein" Fach, was ich nicht konnte war quasi für fast alle anderen bis zum LK (da wurde trainiert) auch unmöglich.
Soviel dazu. Warum ihr euch den ganzen Scheiss antut? Naja, weiß ich doch net. Auf jeden Fall nicht schlecht, denn wenn ihr das gelesen habt versteht ihr meine Sicht auf die Dinge vielleicht etwas besser. Es gibt unendlich viel zur Schule zu sagen. Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll.
Zum einen prägt sie einen. Das ist vielleicht das wichtigste. Ich mein, man sitzt da drin vom 7. bis zum 20 (oder mehr
) Lebensjahr, und zwar 5 Tage in der Woche jeden Vormittag oder länger mit g8. Ferien sind schulfreie Zeit, und nicht Schule ist ferienfreie Zeit. Die Schulzeit ist der erste Lebensabschnitt, an den man sich erinnert. Und zwar mit Gefühlen. Ob jetzt voller Reuhe, dass es vorbei ist, Wut auf die verlorene Zeit oder was auch immer sei mal dahingestellt. Man verbringt verdammt viel Zeit in diesem Kabuff und diese Zeit prägt - ob man es will oder nicht - wirklich den Großteil des restlichen Lebens. Und man muss vom Staat aus da hingehen. Also hat der Staat auch verdammt nochmal dafür zu sorgen, dass es eine GUTE Zeit ist, die einen auf den RICHTIGEN Weg bringt.
Womit wir beim nächsten Thema wären: Was ist richtig, was ist falsch? Was ist freies Denken?
Der Staat gibt vor, was gelernt wird. Wir leben in einer Demokratie. In einer Demokratie bestimmt der Bürger den Staat. Also bestimmt der Bürger letztenendes auch, was seine Kinder lernen und vor allem wie. Tja... so sollte es sein, oder? Ist es aber nicht. Völlig utopisches, tagtreumerisches Gelaber. Erstens ist kein Geld da. Zweitens kann man nur bedingt auf die Regierung einfluss nehmen. Drittens sind die meisten Leute einfach nur scheisse dumm.
Aber gehen wir mal davon aus, dass es so wäre, da es so zu einem begrenzten Teil imho ist. Was wäre dann? Die Gemeinschaft gibt vor, was richtig ist. Das wird an die Jüngeren weitergegeben. Die Jüngeren lernen nichts anderes, als dass das richtig ist, werden zur Gemeinschaft, geben der nächsten Generation ihre Werte vor und... Moment. Pause. "Sie lernen nichts anderes? Das ist doch falsch, oder? Gerade das Gymnasium sollte doch freies Denken fördern! Das ist doch oberstes Ziel der Grundbildung und überhaupt..." blablabla. So ein Gesülze. Man merkt es schon hier wieder am Thread: Das freie Denken ist absolut nicht der Fall. Und selbst wenn, dann wäre es immernoch durch unsere Umgebung bestimmt. Es gibt in diesem Sinn kein freies Denken, nur viele philosophische Werke darüber, dass es das nicht gibt, was einige interessante Umkehrschlüsse auf eben diese Werke zulässt. Aber das Thema ist wirklich scheisse komplex. Wert sich damit zu befassen, ja. Wert es hier wiederzugeben nein. Warum? Würde den Rahmen sprengen und ich müsste hier wirklich in die Tiefe gehen, was euer geistiges Niveau überfordern würde. Und meines auch. Da kann ich sowas lieber gleich studiern und Geld damit machen, anstatt es auf DoW.de schlampig zu posten.Nur so viel: Freies Denken ist in der Schule nicht möglich. Ihr werdet gelenkt bis zum Abitur, auf einem Weg den die Gesellschaft euch vorgibt und auf den ihr als Nichtwähler direkt keinen Einfluss habt, und selbst über eure Eltern nur einen sehr begrenzten. Auf dem Weg zum Abitur bildet ihr euch nicht selbst - ihr werdet gebildet. Gebildet so wie gebaut. So wie man euch braucht.
Ist das jetzt schlecht? Rate ich euch, dagegen zu rebellieren und mal ordentlich was kaputt zu hauen? Nein und nochmals nein. Bin ich resigniert? Auch das muss ich verneinen. Es gibt einfach bessere Wege als die der Pseudo-Anarchos und Pseudo-Gebildeten, allerdings verlangen die viel Einsatz und sind nicht immer von Erfolg gekrönt. Aber machen wir weiter mit der Schule, und verschieben das Thema ans Ende.
Kommen wir erstmal zu den Lehrern. Lehrer wird entweder, wer genau weiß was er tut, oder wer eben sonst keine Ahnung hat, was er machen würde. Oder, seit neuestem, wer aus einem anderen Beruf geholt wird, weil Lehrer gebraucht werden.
Als jemand, der gerade mit dem Studium angefangen hat und gesehen hat, was seine Freunde so wählen, könnt ihr mir den obrigen Satz ruhig einfach so abkaufen. Die ersteren sind kein Problem. Genau so wie die letztgenannten - jedenfalls in den meisten Fällen. Warum? Naja, wer genau weiß was er macht, weiß was auf ihn zukommt, wieviel er arbeiten muss, was er arbeiten muss. Er ist mit seiner ganzen Seele dabei. Das mag sich im Laufe der Zeit ändern, aber das kommt eben manchmal so mit dem Alter. Muss nicht, aber kann. Dafür können andere Werte dazu kommen. Nicht weiter schlimm sind auch die Leute, die aus anderen Berufen geholt werden. Ich mein - womit verdient sich ein Physiker Geld? Entweder man hat's einfach total drauf und arbeitet am Fraunhofer oder man macht einen Fotoladen auf, wie mein Nachhilfelehrer, den ich in der 13. für 'nen guten Abischnitt hatte. Der wurde dann auch geholt um zu unterrichten. Und der hat den Stoff halt einfach drauf. Das haben alle, die Physik wirklich studiert haben. Und zwar besser als Lehrer. Weil sie Praktiker sind. Was er von Lehrern hält: Ungebildete Vollidioten, die den Stoff in den meisten Fällen nichtmal ansatzweise beherrschen. Wenn er das sagt, sollte es stimmen. Und das ist erschreckend: Wie kann man jemandem etwas wirklich gut beibringen, wenn man selber es nicht kann? Und dazu kommt, dass man ja dazu noch einer von den zweitenannten oben sein könnte: Jemand, der den Stoff nicht kann und nicht wusste, was er sonst machen soll. "Ich war halt gut in Mathe, mein Gott, also hab ich Mathe auf Lehramt studiert..." Genau DAS sind die Leute, über die ihr so lästert! Wenn man nichtmal mit sich selbst, geschweige denn dem Stoff zurecht kommt und nicht unterrichten kann, soll man so die Kinder unterrichten, die den "Elitärsten Bildungsweg" beschreiten?!Moment. Elitärster Bildungsweg? Von was zur Hölle redet der Mann da? Vom Gymnasium, du Depp. Gym-na-si-um. Gehen da nicht alle rein? Ja. Und genau das ist das Problem. Ich meine, schaut euch doch mal um. Das andere Dinge da heißt "Hauptschule". Haupt-Schule. Hauptschule. HAUPTschule. Weil da die meisten rein sollen, weil das normal ist. Aber was ist heute, wenn man einen Hauptschulabschluss hat? Ich war in Kroatien mit einem Kumpel von mir, der hat den. Der ist verzweifelt. Man kriegt NICHTS. Keine Arbeit. Null. Gymnasiasten drängen, weil es so viele von ihnen gibt, in klassische Hauptschulabschluss-Bereiche vor. Da hat man dann als Arbeitgeber keine andere Wahl. "Was, der kann Cosinusfunktionen berechnen und den Zitronesäurezyklus inklusive Kreatinreserven beschreiben und chemisch nachweisen? Den brauch ich für meinen... Schreinerbetrieb!!!". Ich mein, geht's noch? Das ist doch scheisse. Eltern drücken ihre Kinder aufs Gym, weil sie wissen: Der Kleine, dem es da so lieblich aus der Nase tropft und der gerne Sand isst, wird später sonst keine Chance haben. Oh man, es gibt sogar Ratgeber, was man/frau tun soll um die Intelligenz des kleinen Bengels schon in der Schwangerschaft (für alle Hauptschüler unter euch, das is der Bereich zwischen Vögeln und "Ich bin WAS? Vater? Jetzt? Das ist MEIN KIND? Wer bist DU überhaupt?") erhöht.
Da muss sich was ändern. Erstens einmal sind Hauptschüler, entgegen dem sarkastischen Kommentar von oben, keine minderwertigen Lebewesen. Wird aber immer so dargestellt. Und dann wundern, woher der Frust und die Gewalt kommt, eh? Naja, Politiker sind ein anderes Thema. Das ganze System ist überholt. Was man zZ versucht, ist auf einem Commodere Crysis zum Laufen zu bringen. Ja, das preußische Schulsystem war mal modern. Aber das war ca. zu der Zeit als man auch noch glaubte, die Frau sei nur ein Aufenthaltsort für den Samen des Mannes, ebenso gut könnte man für Kinder in einen Dunghaufen wichsen. Warum sortiert man die Kinder nach der 4ten Klasse aus? Warum heisst "Grundbildung" den Radioaktiven Verfall berechnen, 500 Bücher in einer halben Stunde sinnlos durchanalysieren zu können, die RNA und DNA eines englischen Falters vor und nach der Industrialisierung vergleichen zu können und mit komischen Buchstaben sinnlose Dinge berechnen zu können? Warum würden solche Menschen in 50% der Fälle verhungern oder unglaublich fett werden, wenn sie mehr als eine Woche allein daheim gelassen werden?
Nein, das ganze System baucht eine Runderneuerung. Kein G8 oder sonstigen Schmarrn. Fundierte, sinnvolle Erneuerung. Kein blödes Geschwafel wie "Bildung ist die einzige Ressource in Deutschland!!!11 zomg!". Ich mein, in Südafrika bauen sie ja auch keine Kohle, sondern Diamanten ab...
Später "auslesen", Hauptschule zur Hauptschule machen, Förderung der unterschiedlichen Begabungen, sinnvollerer Stoff, frühere Spezialsiierung, kleinere Klassen, mehr und bessere Lehrer... Man weiß garnicht, wo man mit der Aufzählung anfangen soll. Alles besser als das, was zZ herrscht. Fast alles. Braucht halt Geld. Aber das ist ja ominöserweise trotz allem Müllgelaber nicht da. So ein Scheiss, echt zum Heulen.
Kommen wir zu einem weiteren Thema. Nicht dem Stoff, sondern darüber, wie er beigebracht wird. Hängt natürlich mit den Lehrern zusammen und auch mit dem Stoff selbst... aber eben nur bedingt. Was machen wir denn heute in der Schule? Rosarote Kuschelpädagogik, Problemchen werden ausdiskutiert, hintenrum wird weitergemobbt, alles wird brav auswendig gelernt. "In Kindergärten wie Schulen dominiert ein verhuscht-weibliches Klima". Kennt ihr den Arikel noch? Der Mann hat recht.
Und da der Text sonst zu lang wird, mach ich daraus eine Fortsetzungsgescihchte...
[x] Agree
Toller Post, der egal wie sarkastisch teilweise die Textstellen sind, eigentllich nicht lustig ist. Ist eher schade so wie es ist.