Display MoreErst am Donnerstag kam es wieder zu einem Amoklauf. Und noch immer ist Winnenden in den Köpfen von Schüler, Eltern und Lehrern. Aus dieser Erfahrung heraus will sich das Schramberger Gymnasium zu einer »Killerspielfreien Schule« entwickeln.
Auch wenn Killerspiele nicht der Auslöser einer Amoktat seien, sagte gestern der Schulleiter des Schramberger Gymnasium, Bernhard Dennig, sie würden aber einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche zu Amokläufern würden. Auch wenn es keinen monokausalen Zusammenhang gebe, dass exzessives Spielen entsprechender Spiele zu Gewalthandlungen führe, biete es möglichen Gewalttätern allerdings ein verqueres Handlungsmodell für eine scheinbare Lösung ihrer Probleme und Schwierigkeiten an, das sie erlernten – und gegebenenfalls in die Wirklichkeit umsetzten.
»Wir wollten nach dem Amoklauf von Winnenden unmittelbar reagieren«, sagt Dennig, aber auch langfristig mit pädagogischen Mitteln am Thema Gewalt dran bleiben.
Die Angehörigen der Opfer von Winnenden hätten vor allem geäußert, dass die Waffengesetze verschärft und gegen Killerspiele vorgegangen werden müsste, sieht Dennig als Motivation für die anstehende Selbstverpflichtung der Schule. »Was können wir bei uns tun?«, sei die Frage gewesen.
Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen
Zunächst sei im Kollegium des Gymnasiums eine Arbeitsgruppe gegründet worden, mit der Überlegung, wie an der Schule der Übergang zu einem Verzicht auf Killerspiele als Projekt möglich gemacht werden könne. Das Ziel sei dabei zunächst gewesen, Eltern und Pädagogen für diese Selbstverpflichtung zu gewinnen. So habe er die Idee den Elternbeiräten und der Gesamtlehrerkonferenz vorgestellt, die diese sehr positiv aufgenommen hätten. Daher sei auf jeden Fall zu erwarten, dass Eltern und Lehrer in dieser Sache an einem Strang ziehen würden.
Innerhalb der Suchtprävention, so Dennig, die in diesem Schuljahr ein Schwerpunkt am Gymnasium sei, soll deswegen Eltern und Schülern eine Hilfestellung gegeben werden, wie man sinnvoll mit Medien umgehen könne. Dabei gehe es nicht darum, Verbote auszusprechen, sondern, dass Eltern mit ihren Kindern im Gespräch bleiben sollten – auch um zu erfahren, was ihnen an solchen Killerspielen reizvoll erscheine. Ein erster Schritt in diese Richtung sei auch ein Vortrag am Donnerstag, 8. Oktober, mit dem habilitierten Jugendpsychiater Georg Romer am zum Thema »Eine Generation online« zum Thema Medienkonsum. Romer, dessen Bruder Johannes Pädagoge am Schramberger Gymnasium ist, lebt und arbeitet heute in Hamburg.
Killerspiele sollen geächtet werden
Insgesamt solle in der Schule ein Bewusstsein geschaffen werden, das Killerspiele schädlich sind und deswegen auch geächtet werden sollen.
Die Auffassung mancher, dass solche Spiele wie ein Naturereignis zu akzeptieren seien, gegen das keine Gegenwehr möglich sei, erstaune.
Wenn der Gesetzgeber nicht reagiere, sei es, so Dennig, moralisch dringend geboten, zu einer Praxis Nein zu sagen, die mit Amokläufen ursprünglich im Zusammenhang stehe.
Als Fernziel sieht der Schulleiter neben der Selbstverpflichtungserklärung für die eigene Schule, einen Ring von Schulen mit »killerspielfreien Zonen« zu etablieren, die mit ihrer öffentlichen Selbstverpflichtung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten würden, Killerspiele zu ächten.
edit by Tokreal: solche Bilder wollen wir hier nicht nochmal sehen!!!