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Sturmfeuerzeug Teil 2
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Zur gleichen Zeit auf der „Lucifer“
Kommandant Montros befand sich schon einige Stunden auf der Brücke und verbrachte seine Wartezeit mit einer Tasse Kaffee. Das war einer der Vorzüge die man als Space Marine hatte, man bekam die beste Verpflegung. Während sich die Imperiale Armee mit billigem Caffein, das nicht mehr war als ein chemischer Ersatzstoff, zufrieden geben musst, hatte Montros echten Kaffee in seinem Becher. Auch wenn es im Grunde genommen Verschwendung war, da seine inneren Implantate jegliche „Giftstoffe“ neutralisierten und somit die wachmachende Wirkung des Kaffees ausschalteten, war es doch ein herrlicher Geschmack.
Sein Blick war unentwegt auf die Sichtfenster gerichtet, die einen Blick auf die weiten des Alls und Armageddon selbst zuließen. Vor dem Sichtfenster saßen der Hauptwaffenoffizier und der Steuermann zum Teil in seinem Blickfeld. Ihre Posten waren zwei großen Konsolen, durch die sie Zugriff auf die wichtigsten Schiffsinstrumente hatten. Eigentlich dienten sie nur zur Absicherung, denn die wahre Kontrolle hatte der Schiffskapitän, der neben ihm auf seinem zugewiesenen Platz saß. Falls dieser sterben sollte, übernahmen die beiden Offiziere die Kontrolle über das Schiff. Normalerweise befand sich der Kapitän in einem eigenen Raum, abgeschirmt vom Rest der Crew. Aber Montros hatte ihn hier her verfrachten lassen, da er im Kampf die Kommandos gab und er so sicher war, dass der Kapitän auch seine Befehle ausführte. Den alten Kapitänsraum hatte er den 4 Astrophaten der „Lucifer“ zugeteilt, die mehr oder weniger in ihrer Kammer eingeschlossen waren. Die „Astrophaten-Kammer“ konnte nur durch ihn oder Adjudant Krimmel geöffnet werden. Jeder der versuchte ohne ausdrückliche Genehmigung die Kammer zu betreten, sollte ohne Vorwarnung von den zwei Space-Marine Wachen, die immer vor der Kammer standen, erschossen werden.
Laut schlürfte Montros an seinem Kaffee, dabei hätte er fast die beinahe geflüsterten Worte des Kapitäns überhört:“ Kommandant? Wir haben den Kontakt zu den Scout-trupps Delta, Eta und Kilo verloren.“. 3 Scout-trupps? Das waren mehr Verluste als Montros erwartet hatte. Eigentlich rechnete er damit, dass nur ein oder zwei Scouts fallen würden. Aber ganze Trupps? Montros sah zu dem halb Mensch- halb Maschienewesen rüber:“Gibt es Aufzeichnungen?“. Wieder zuckte der Kapitän auf seine urtümliche Art zusammen. Seine Finger bewegten sich kurz als ob er irgendwelche Tasten drücken würde. Was er wohl in seiner Maschienenwelt für Knöpfe gedrückt hatte? „Ja Kommandant“, war seine Antwort,“ich stelle die Aufzeichnungen von Delta und Kilo auf den Bildschirm“.
Der Holograph zu Montros Füßen ging mit einem leisen Surren an und warf ihm die Videoaufzeichnungen direkt vor die Augen in die Luft, samt Einheitsnamen, Zeitangabe, Ort und Mission. Da alle Space-Marines, oder jene die es werden wollten, Augenimplantate hatten, konnte man die Mission komplett aus der Sicht der Einheit aufnehmen. Diese Implantate waren so programmiert, dass sie sofort alle Videodateien an die zugehörige Stelle übermittelten sobald der Träger starb. Die Videos waren stark verwackelt, aber man konnte gut erkennen wie die Scouts in beiden Videos von einem Trupp Orks angegriffen und besiegt wurden. Zumindest wussten sie jetzt womit sie es zu tun hatte. Es handelte sich also um eine Ork Invasion. Aber warum es die Grünhäute schafften die Kommunikation dermaßen zu stören, bereitete ihm weiterhin Kopfzerbrechen und bot noch viel Raum für Spekulation. „Was ist mit den Aufzeichnungen von Trupp Eta?“, fragte Montros seinen Kapitän. „Es tut mir leid Kommandant, es sind keine Aufzeichnungen übermittelt worden. Es ist wahrscheinlich dass Ihre Implantate zerstört wurden.“ - „Aus wem bestand Trupp Eta?“ - „Aus dem 33. Scouttrupp. Angeführt von Veteranseargent Bakara Nimbus, Kommandant. Das Signal endete in der Provinzstadt „Midus““. Wie konnte es sein, dass alle Implantate von 4 Scouts zerstört wurden? Orks neigten zwar dazu ihren besiegten Gegnern die Köpfe abzuschlagen, um sie als Trophäen zu sammeln, aber man musste den Kopf eines Space Marines schon zertrümmern um das Implantat zu beschädigen. Es wäre auch eine Möglichkeit, dass alle von ihnen einen „unglücklichen“ Kopfschuss bekommen hatten, aber das war bei Orks mehr als Unwahrscheinlich. So ein vorgehen würde eher zu den Eldar passen.
Hinter Montros Rücken ertönte Adjudant Krimmels schnorrende Stimme und riss den Kommandanten aus seinem Gedankengang, „Kommandant, aufgrund unserer hohen Spähtrupp Verluste, würde ich vorschlagen, umgehend schwer gepanzerte Kampfverbände, in die Einsatzgebiete zu entsenden. Wir müssen wohl mit kombinierten und zusammenarbeitenden Truppenverbänden rechnen.“ Montros wusste worauf Krimmel hinaus wollte. Er hatte ihn nicht umsonst zu seinem Adjutanten gemacht. Er war zwar noch auf keinem einzigen Schlachtfeld gewesen, doch er hatte sehr viel theoretisches Wissen angehäuft. Im Normalfall war Kampferfahrung der Theorie immer vorzuziehen, aber Krimmel hatte sich in all den Jahren eine gewisse Fähigkeit antrainiert die man immer wieder gebrauchen konnte. Da er die meiste Zeit eigentlich nur mit dem Studium verbrachte, eignete er sich eine Kleinkariertheit an, die vor allem in der Organisation wertvoll war. Der „laufende Servoschädel“, wie in Montros immer nannte, dachte mehr in Zahlen und klaren verlaufenden Schemata. Wenn er sagte, man müsse sofort Space-Marines in den Kampf schicken, rechnete er mit einer, schon vom Feind organisierten Abwehr. Kommandant Montros war das schon längst klar geworden, als er von den drei verlorenen Scout-Truppen hörte. Auch war er normalerweise nicht auf den Rat von Krimmel angewiesen, aber er war oft auf sein gutes Zahlenverständnis im Lager und seine unmissverständlichen Erklärungen der Mannschaft gegenüber. Wie er es von seinem „Servoschädel“ erwartete, drückte er sich auch in diesem Augenblick so klar und präzise aus, dass man sofort wusste worauf er hinaus wollte. „Entwerfen Sie einen Invasionsvorschlag Servoschädel!“, befahl Montros. Er konnte fast schon hören wie Krimmel ärgerlich mit seinem Kiefer mahlte, da er den Spitznamen absolut nicht mochte, da es ihn immer wieder an sein Missgeschick mit der Plasmapistole erinnerte, aber er salutierte brav und verließ die Brücke, um seiner neuen Aufgabe nachzukommen. Eigentlich hatte Montros schon den kompletten Plan im Kopf, aber er wollte sehen wie gut sich sein Adjutant machen würde. Wieder nahm er einen Schluck von seinem Kaffee und wartete ab.21 Tage vor der Landung der Space-Marines
Nachdem Bilvor sich zwei mal übergeben hatte und endlich mit seinem „Werk“ fertig war, streifte er das blutige Kampfmesser an dem Bettlaken, dass er aus einer der Häuserruinen geholt hatte, ab und steckte es wieder in die Scheide. Er knotete das Bettlaken mit allen Ecken zusammen, um einen provisorischen blutigen Sack zu bekommen, mit dem er das Fleisch transportieren konnte. Danach fing er an das Grab zu zu schaufeln, in dem nun ein mehr oder minder zerschnittener toter Imperialer Soldat lag. Es graute ihm jetzt schon davor, den blutigen Sack den Greisen zum Kochen zu geben, aber er hatte keine andere Wahl. Es waren locker 40 kg frisches Fleisch, das waren vielleicht 2-3 Tage die sie ohne Hunger verbringen konnten. Es durfte nur niemand erfahren woher die „leckere“ Mahlzeit kam. Aus diesem Grund schaute sich der Schein-Inquisitor immer wieder verstohlen um, ob ihm auch ja niemand zusah. Nachdem die Schweiß treibende Arbeit erledigt war, packte er den Fleischsack und hievte ihn sich über die Schulter. Unter schwere Last schleppte er sich zum U-Bahn Eingang. Kannibalismus war ohne Zweifel ein Sakrileg, schon alleine deswegen müsste man ihn auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Es war nicht so, dass Bilvor den Leuten schaden wollte, er wollte sie ja alle retten oder zumindest so viele wie nur möglich. Aber er nahm auch in Kauf, dass der eine oder andere auf sein Seelenheil verzichten musste, damit der Großteil überleben konnte. So wie er auch auf sein eigenes Seelenheil verzichtete, indem er viele Opfer brachte, so verlangte er auch von seinen Schützlingen dass sie dasselbe taten. War das verkehrt? Etwas verbotenes zu tun um etwas gutes zu erreichen? Eine Mutter würde auch ohne zu zögern jemanden umbringen, um ihr eigenes Kind zu schützen. Auch Mord gehörte zu Dingen die ein gläubiger Mensch niemals tun durfte, aber jeder würde für diese Art von Mord Verständnis haben.
Vor sich hin grübelnd stieg Bilvor die Treppen in die U-Bahn herunter. Er ließ den Fleischsack, vor einer alten Frau, auf den Boden klatschen. Sie sah ausgemergelt, müde und schmutzig aus. Mit heiserer Stimme fragte sie:“ Was habt ihr da euer Gnaden?“. „Fleisch“, war Bilvors kurze aber in gewisser-weise ehrliche Antwort, „ich habe ein Rudel Hunde gefunden, als ich den Soldaten begraben habe“, nur dieser Teil war gelogen. Man gewöhnte sich schnell ans Lügen, man wurde immer besser darin, irgendwann schaffte man es auch den Leuten direkt in die Augen zu schauen, wenn man sie anlog. Es war umso leichter wenn diejenigen die man belog in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem standen, oder einem sogar vertrauten. Die alte Frau vor Bilvor tat beides. Schnell schnürte sie den Sack auf und klatschte kurz vor Freude in die Hände:“ Der Imperator segne euch Inquisitor!“. Mit einem Nicken verließ er die Alte und wand sich anderen Aufgaben zu, die wesentlich dringender waren. Da jetzt die Verpflegung für ein paar Tage gesichert war, musste er darüber nachdenken wie er die Leute zum Kampf bereit machen könnte. Es fehlte ihnen an Waffen und Munition. Auch waren die meisten überhaupt nicht für den Kampf trainiert worden. Es war einfach viel zu wenig Zeit um sie auszubilden. Die einzigen die wirklich kämpfen konnten waren die wenigen Imperialen Soldaten, die man aus dem Bunker befreien konnte. Auf einen offenen Kampf konnten sie sich also nicht einlassen, dem war sich Bilvor sehr wohl bewusst. Aber sie hätten eine relative Chance wenn sie sich auf Guerilla Aktionen konzentrierten. Hier kam aber wieder das Ausrüstungsproblem auf sie zu. Ohne Funkgeräte war es unmöglich die Truppen auf großem Gebiet zu koordinieren. „Wo ist Kommissar Rheingau?“, fragte der Messias in den Raum. „Irgendwo oben“, bekam er aus einer Ecke zugerufen. Mit einem leisen Seufzen stieg er die Treppen wieder hoch und schaute sich um. Bis auf die Ruinen von „Midus“ konnte er nichts sehen. Überall nur Schutt, zusammen geschmolzene Stahlträger, aufgeplatzter Asphalt, Scherben, zerstörte Statuen. Aber nichts was auf seine „Armee“ hinwies. Waren diese Feiglinge etwa desertiert? Hatten sie sich wie feige Hunde davon gemacht? Wut begann in dem Milizsoldaten Bilvor hoch zu kochen. Wie konnte diese Maden es eigentlich wagen sich einfach davon zu machen? Es ging ihm nicht darum, dass sie ihre Soldaten Ehre verletzt hatten, oder gegen geltendes Recht verstießen.Nein ihm ging es darum, dass er verraten wurde. Er der Beschützer und Retter vom Imperium! Er der ihnen die Möglichkeit gab zu überleben, ließen sie einfach im Stich? Voller Zorn nahm sich Bilvor vor, den ganzen Trupp – jeden einzelnen von ihnen – umzubringen, wenn er sie finden sollte.
Irgendetwas huschte durch die Schatten der Ruinen und zog Bilvors Aufmerksamkeit sofort auf sich. Er schaute genauer hin, konnte aber zuerst durch die Dunkelheit nichts erkennen. Dann, langsam, und je mehr er sich auf den Schatten konzentrierte, schien er sich zu verändern. Wie als wenn ein leicht durchsichtiger Vorhang langsam hoch gezogen wurde, wich der Schatten vor seinem Auge und machte Platz für Licht. Obwohl es vom Sonnenstand her nicht möglich war, erschien Bilvor es so, als ob die ehemals schattige Stelle zwischen den Ruinen in hellstem Sonnenschein erstrahlen würde. Zwischen dem Geröll hatte sich ein kleiner Junge versteckt. „Hey Bengel! Komm sofort her!“, rief Bilvor verärgerter als er es eigentlich beabsichtigt hatte. Der kleine Junge zuckte sofort zusammen, und kam nur zögerlich mit gesenktem Kopf, aus seinem Versteck. „Was hast du da gemacht?“, fragte Bilvor ihn barsch. Vollkommen verängstigt, und anscheinend hilflos mit der Situation überfordert, stammelte der kleine Junge irgendwas vor sich her, ohne ein verständliches Wort heraus zu bringen. Aber der Schein-Inquisitor meinte irgendwas von „Ratten“ und „Essen“ verstanden zu haben. Das schien Bilvors anfänglichen Zorn auf die Imperialen Soldaten etwas zu mildern, da wenigstens einige wenige von seinen Schützlingen das taten was er ihnen aufgetragen hatte. Bilvor nahm den Jungen weiter ins Auge, um zu sehen ob der Junge lügen würde und sagte:„Gut, aber pass auf dass die Orks dich nicht erwischen. Sag mal … hast du die Imperialen Soldaten hier irgendwo gesehen? Oder den Kommissar?“. Mit einem Finger seiner kleinen gebrechlichen Hände, wies der Junge in die Stadtmitte. Man konnte sofort erkennen das der Kleine viel zu eingeschüchtert war und nicht im Traum daran dachte Bilvor anzulügen. Mit einem zufriedenen Nicken ließ er den Jungen einfach da stehen wo er war und machte sich festen Schrittes ins Stadtzentrum auf. „Ich werde sie alle umbringen diese Verräter!“, dachte sich der Schein-Inquisitor immer und immer wieder, während er einen Schritt nach dem anderen machte und sich seine Wut weiter aufblies wie ein Luftballon der kurz vorm Platzen stand.(to be continued)
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