Diskussionsthema: Studiengebuehren

  • nunja, abgesehen von der annahme, dass ein studium von sozial schwächeren haushalten net möglich wäre, will ich mal zeigen (am beispiel von mir), dass es trotzdem geht, wenn auch steinig...
    es gibt hier in bawü auch die möglichkeit von best. krediten:

    1.) allen voran: bafög (50% muss man zurückzahlen, schuldenobergrenze: 10.000 euro)
    2.) der studienkredit der kfw-förderbank (zins derzeit bei ca 6%, laufzeit von 6 monaten bis höchstens studiumsende)
    3.) der studiengebührenkredit der L-bank (d.h. die zahlen die 500euro pro semester direkt an die hochschule, max 10 semester)

    ich habe diese möglichkeiten in anspruch genommen, da 1. mein vater keinen unterhalt zahlt (und wohl nie wird), meine mutter nichts verdient und ich aufgrund der zeit höchstens einen 400euro job in der nächsten zeit anfangen kann.

    ergebnis:
    - zwischen meinen studienort und zuhause liegen 100km, daher bin ich dort hin gezogen
    - da die erste bafög-zahlnug bis zu 3 monate auf sich warten lässt, musste ich für einen kurzen zeitraum einen kfw-kredit aufnehmen...
    - wenn ich mit dem studium fertig bin, gehts erst mal an schulden abzahlen die wohl dann zwischen 10.000 und 20.000 euro liegen werden in einem zeitraum von etwa 20jahren bei eher geringer monatlicher belastung.


    but Hell, ich studiere und ebne mir einen weg für die zukunft! :04:

    ausserdem werde ich überschüssiges geld ansparen (werden wohl ca 50-100euro pro monat sein), um mir ein finanzielles polster zu schaffen...

  • Also ich habe jetzt nicht alles hier gelesen. Das sage ich vorneweg.

    Natürlich bin ich auch gegen Studiengebühren. In Hessen bezahlt man 500€ + 200€ Semesterbeitrag. 700€ für ein halbes Jahr sind ein Wort. Sicherlich sind die Studienbedingungen mies zur Zeit. In Kassel kommt man sich als Magister mit Hauptfach Erziehungswissenschaften vor wie ein verdammter verkappter Lehrer, weil man so mehr oder weniger notdürftig in deren Veranstaltungen mit reingestopft wird. Die Räume sind überfüllt, und das bis zum geht-nicht-mehr.

    Eigentlich würde ich sagen, dass man ruhig was zahlen kann, wenn die Bedingungen dafür besser werden. Allerdings müssen es dann nicht 500 Öcken sein. 200 pro Person würden auch schon reichen um was zu ändern. Die Kasseler Uni hat afaik ca. 17000 Studenten. Da kommt ordentlich was zusammen wenn die alle Gebühren zahlen. 500€ sind aber eine Frechheit. Außerdem sollte man auch berücksichtigen, dass man durch Bachelor und Master-Studiengänge den Studenten die Zeit raubt. Irgendwo ist da auch mal Feierabend, hier weniger Zeit geben und da mehr Geld verlangen geht auch nicht. Ich als Magister habe noch die Zeit um 2 Schichten die Woche zu arbeiten.

    Was mich nur stuzig macht an dieser Stelle: Letzten Sommer haben wir hier in Hessen gegen die Gebühren demonstriert. Da Studenten aber auch zu 80% absolute Vollidioten sind, bestanden diese Demos geößtenteils aus "lustigem mit der Bierflasche in der Hand durch die Innenstadt-Bummeln". Nach einer großen Demo war Feierabend, die Leute haben sich scheinbar mehr oder weniger damit abgefunden. Aber das ist die deutsche Mentalität. Erstmal ein bisschen schimpfen, dann aber lieber die Fresse halten und gucken wie man das Problem für sich allein löst. Man kann es ja eh nicht mehr ändern.

    Ich habe keine Ahnung ob ich mein Studium in der geplanten Zeit beenden werde. Eigentlich sind es 10 Semester, aber ich spezialisiere mich auf die wenigen Kurse, die wirklich was für Erziehungswissenschaftler sind, und nicht für Lehrer. Was wo und wie in der Schule passiert und wie man Unterricht gestaltet interessiert mich echt nen Scheiß. Ich werde aber solange studieren wie es nötig ist. Finanziell habe ich das wie folgt gemanagt:

    Ich arbeite im Akkord bei einem Subunternehmen von SIXT. Ich reinige Autos, liefere sie aus, mache Testfahrten, erkläre den Kunden wo was ist und alles was dazu gehört. Ich komme im Monat locker auf 400€. Alles was drüber ist, darf ich wegen Versicherungen nicht bekommen, wird mir aber gut geschrieben und man wird ja auch mal krank oder hat was anderes zu tun. Meine Miete wird exakt von den 150€ Kindergeld abgedeckt (dafür wohne ich in einem Viertel wo du nur mit Kevlarweste raus kannst wenn es dunkel wird). Von meinen Eltern bekomme ich kein Geld. Die können sich das nicht leisten. Unterm Strich habe ich also 400€ für mich zur freien Verfügung. Damit lassen sich die Studiengebühren ganz gut abdecken, obwohl ich noch CD-kaufsüchtig bin.

    Das ist jetzt natürlich keine Rechtfertigung für Studiengebühren, ich für meinen Teil habe es bis jetzt nur auf die Reihe gekriegt meine Finanzen so zu managen, dass ich noch über die Runden komme.

    Bleibt hier in Hessen nur zu hoffen, dass die Klagen durchkommen. Hessen hat ja diesen Sonderparagraphen im Gesetzbuch, dass Bildung in jeder Form kostenfrei sein muss, oder so ähnlich. Den genauen Wortlaut weiß ich jetzt nicht. Die Frage dann ist aber: Was tun wenn Hessen gebührenfrei ist, alle anderen nicht? Dann kommen die Leute massenhaft nach Hessen und das macht die Studiumsbedingungen auch nicht besser.

    Schwieriges Thema, echt.

    ToolOfMyDemons 2.0

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!