Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges und Beginn unserer Wohlstandsgesellschaft sind Gehwegskämpfe zur Alltäglichkeit geworden. Doch nur weil es jeden Tag passiert, heißt es noch lange nicht, das der durchschnittliche Bürger alle Tricks beherrscht. Im Gegenteil, anhand der Resultate der vergangenen 20 Jahre lässt sich erkennen, daß das Chaos immer größer und die Fähigkeiten des Einzelnen immer schlechter werden. Deshalb hier von mir ein kleiner Leitfaden.
Kapitel 1: Übersicht
Der Weg zum Supermarkt, der Einkauf im Kaufhaus, der schnelle Gang zur Videothek, dies sind Alltäglichkeiten, wie sie jeder kennt. Und jeder kennt die Probleme, die diese Tätigkeiten mit sich bringen: Gedrängel, Generve, Gestinke, Totalblockaden. Immer schwerer wird es, feindlichen Gehwegnutzern aus dem Weg zu gehen oder zumindest siegreich aus Konflikten hervorzugehen.
Dazu kommen Fremdeinwirkungen, die vor einhundert Jahren noch gar nicht existiert haben, wie beispielsweise Verkehrsschildblockaden oder militante Querparkfanatikern. Es mag hoffnungslos erscheinen, doch noch ist es durchaus möglich, ohne große Zwischenfälle und mit Grazie und Stil seine Ziele zu erreichen. Generell sollte der Gehwegbenutzer Ruhe bewahren, auf Abstände achten und sich die rechte Zeit aussuchen, dann werden Probleme minimiert und die, die auftreten, können schnell und sinnvoll gelöst werden. Doch schauen wir uns zuerst mögliche Angreifer an.
Kapitel 2: Gegner
Erwachsene Passanten: Können mit vielen Modifikationen auftreten, wie beispielsweise: Intoxikation, Eile, Schwachsinn oder Feindseeligkeit. Ein schneller Blick auf das Verhalten der Zielperson gibt Auskunft über dessen Status und Gegenmaßnahmen können ergriffen werden. Generell gelten Gegner dieser Klasse als die einfachsten und, bei männlichen Varianten, logischsten. Zu beachten ist, das ein Mix mit anderen Gegnern das Gefahrenpotential des erwachsenen Passanten um ein vielfaches erhöht.
Kinder: Grundsätzlich mit Schwachsinn modifiziert. Es gilt, bei Begegnungen mit Kindern unbedingt die Ruhe zu bewahren. Kinder blockieren generell den Luftraum und greifen mit unerwarteter Lautstärke alles in ihrer Umgebung an. Meist sind sie mit erwachsenen Passanten in einer Formation, aber manchmal sind sie auch in Scharen ohne andere Begleitung unterwegs. In diesem Fall besteht besondere Gefahr, weiträumiges umgehen ist die beste Methode.
Rentner: Hier gibt es drei Varianten. Die erste sind die Jungrentner. Üblicherweise treten diese einzeln auf und tendieren dazu, andere mit ihrer Schnatterei in zeitraubende Wortgefechte zu verwickeln. Grimmig gucken oder ignorieren funktioniert hier sehr gut. Zweite Variante ist die Ehepaarcombo. Der weibliche Teil sorgt für flächendeckende Verbaldeckung, während der männliche Teil üblicherweise gerne ausschwenkt oder mit schlechter Laune unerwartet snipert. Meist kann man ihnen mit intensivem Denken an andere Sachen, Ignoranz und Gedult begegnen, doch ist dies nicht immer eine Möglichkeit. Die dritte und letzte Variante sind die Rad-Mod-Rentner, Rentner die einen kleine Wagen vor sich herschieben. Hier gibt es wenig Probleme mit direkten Angriffen, allerdings sind ihre passiven Luftraumsperren sehr nerv- und zeitraubend. Sollte diese Variante in Schwärmen auftreten, ist ein Abbruch der Mission oder eine weiträumige Umgehung des Gebietes zu empfehlen.
Muttis mit Kindern: Schwer einzuschätzende Gegner. Sind die Kinder im Kinderwagen, so gibt es meist nur Blockadebeschwerden, die durch Geschwindigkeit oder Ausweichen wettgemacht werden können. Sollten die Kinder um die Mutti herumschwärmen, besteht alarmbereitschaft. Nicht nur werden die Kinder, wie oben beschrieben, lautstark die Umgebung terrorisieren, die Mutter wird je nach status des Geduld-o-Meters noch sehr viel verwüstendere Angriffe ausführen. Grimmig gucken kann helfen, Geduld birgt das Risiko des Kopfschmerzes und Ignorieren ist nicht immer eine Option. Am besten Ausschau halten und das Problem durch beim Bäcker Kaffee trinken gehen und warten bis die Horde weg ist, lösen. Kindergeburtstage sind absolut tödlich.
Extremisten: Ob Punks, Nazis, Penner oder Geschäftsmänner, Extremisten sind schwer einzuschätzen und noch schwerer zu kontern. Zum Beispiel ist der Geschäftsmann nicht immer ein Feind, sollte er über die Modifikation Eile verfügen, kann er zum Verbündeten werden. Immer schön folgen, der Geschäftsmann sorgt für ausreichend Platz und schnelles Vorankommen. Nur nicht mit ihm sprechen. Ansonsten sind Extremisten stark von ihrer Intoxikation und dem Grad der Schwachsinnigkeit abhängig. Punks tendieren dazu, zufällig zu Handeln, mit Glück bekommt man eine halbe Flasche Bier geschenkt, mit Pech bekommt man sie auf den Kopf. Nazis sind schwer zu reizen wenn sie alleine sind, bei ihnen steigt das Gefahrenpotential mit jedem Mitglied des Schwadrons. Penner stellen immer ein passives Hindernis da und können auf offenem Feld einfach umgangen werden. Ignorieren hilft nicht immer.
Hunde: Das schlimmste, was einem passieren kann. Hunde sind blutrünstige Jäger der Straßen, allzeit bereit, anzugreifen und ihr Territorium zu verteidigen. Meist sind Hunde in Begleitung eines erwachsenen Passanten, der fast immer die Schwachsinnsmodifikation besitzt. Diese Menschen sind aller Logik erhaben und sich nur selten irgendeiner Schuld bewusst. Hunde sind nach Möglichkeit zu umgehen, eine Konfrontation hat praktisch immer das ziehen des Kürzeren zu Folge und Ignorieren ist in 60% aller Fälle ineffektiv. Zum Glück sind Hunde meist nur im freien Feld anzutreffen. Sollte der Hund einen Extremisten begleiten, ist ein Vorfall vorprogrammiert und man sollte nach anderen Passanten Ausschau halten, die man als Opferlamm missbrauchen kann.
Kapitel 3: Missionen
Im allgemeinen kann man Missionen in vier Gruppen einordnen: Reise, Einkauf, Lustwandeln und Sklaverei. Dabei gibt es viele verschiedene Einsatzziele und Gefahren.
Reise: Eine Reise stellt den Weg von einem Punkt zum anderen dar, bei dem der Fußwegbenutzer kein Zeitlimit hat, aber dennoch schnell an seinem Ziel ankommen möchte. Hier sind Blocker wie Rad-Mod-Rentner und Hunde besonders ärgerlich, da diese den Raum verstopfen und so Zeit rauben. Es wird empfohlen, Straßen mit vielen Kreuzungen zu nutzen, da man so im Notfall schnell mal einen kleinen Umweg gehen kann. Kinder stellen weniger ein Problem da, da diese sich auf festen Raum konzentrieren und in einem bewegten Manöver wenig Schaden anrichten.
Einkauf: Der Weg zu einem Geschäft, der Kauf von Waren oder ähnliches und der Weg zurück. Hier gibt es die meisten Probleme. Die Probleme der Wege hin und zurück decken sich mit denen der Reise, doch stellt der Einkauf selbst das größte Problem da. Hier sammeln sich meist Extremisten und Kinder und warten auf Opfer. Muttis mit Kindern sind besonders häufig anzutreffen und wirken sich verheerend auf den geistigen Zustand des Fußwegbenutzers aus. Wie immer gilt es, Ruhe zu bewahren. Bei Rentnerblockaden vor der erstrebten Ware sollte in sicherem Abstand gewartet werden, durch Meidung von Muttis mit Kindern im Nahkampf kann Schlimmstes verhindert werden und wenn man die Kassen im Auge behält und seinen Einflug in die Zahlschneise richtig zu timen vermag, wird der Besuch eines Geschäfts zu einer Sache, die keinen Amoklauf am Ende des Tages erzwingt. Geschäfte mit Extremisten sollten vermieden werden durch Ausweichen in einen anderen Stadtteil.
Lustwandeln: Die Nutzung der Gehwege aus purer Lust ohne festes Ziel und Zeitlimit. Generell nicht zu empfehlen. Hier lauern besonders viele Extremisten, die die meisten Lustwandelorte verseuchen. Selbiges gilt für Hunde. Man braucht entweder Glück oder schwere Waffen, um das Lustwandeln heil zu überstehen, deshalb lieber zu Hause ein paar Kniebeugen bei offenem Fenster mehr statt Selbstmord im Park.
Sklaverei: Das Erreichen der Arbeit/des Dates unter Zeitdruck und mit der Auflage, bei Ankunft noch vernünftiger Gedanken und Taten fähig zu sein. Die meisten Menschen haben dieses schwere Laster mehrmals in der Woche zu tragen. Wie man sich denken kann sind Rentner hier ein großes Risiko. Je nach Zeitpunkt kann man sehr vielen Kindern begegnen, was besonders dann problematisch wird, wenn man in seine Mission das nutzen eines Busses mit einplant. Hunde sind meist damit beschäftigt, den Inhalt ihrer Blase meist flächendeckend in die Landschaft zu befördern und stellen so weniger eine Gefahr da. Extremisten sind auch meist mit sich selbst beschäftigt oder inaktiv. Aggression kann bei dieser Art der Mission der Schlüssel sein, da alle anderen genauso handeln und es als entschuldigt gilt. Ignorieren kann auch helfen, jedoch nur bei aktiven Bedrohungen, Blockaden sind so nicht zu brechen.
Kapitel 4: Sonstige Gefahren
Unsere Welt ist voll mit Dingen außerhalb unseres Einflussbereiches. Leider beeinflussen diese Dinge unseren Bereich umso mehr. Dies ist traurig aber unvermeidlich und so rüstet man sich besser entsprechend.
Ein Problem sind Autonutzer. Diese meist an mittlerer Schwachsinnigkeit leidenden Menschen nutzen ein Fahrzeug, um sich auf möglichst nervraubendste Weise zum König der Straßen zu machen. Eine direkte Konfrontation wird immer in einer Niederlage enden, die ggf. einen permanenten Missionsabbruch zur Folge haben kann. Zwar haben sie auf de Fußweg eigentlich nichts zu suchen, doch in ihrem Wahn stellen viele Autobenutzer ihr Auto auf offensivste Art und Weise dem Gehwegbenutzer in den Weg. Hier sollte man sich keine Illusionen machen, der Autobenutzer tut dies mit Absicht. Kommen dazu noch freischwebende Rad-Mod-Rentner ins Bild, sieht die Situation sehr schlecht aus. Wer hier heil durchkommen will, braucht das Glück einer Parklücke und timing, so kann man den Rentner mit nur wenig Zeitverlust umgehen.
Ein weiteres Problem sind Fahrradbenutzer, die Cruise Missiles der Gehwege. Durch Gesetz und der Genfer Konvention auf die Fahrbahn verdammt, gibt es trotzdem viele, die Gesetze und Konventionen ignorieren und verantwortungslos drauflosradeln. Nur schnelle Reflexe, stabiler Körperbau oder viel sperriges Gepäck können den Gehwegbenutzer aus Konfrontationen als Sieger hervorgehen lassen. Hierbei gilt: Wer zuerst trifft, hat den Vorteil. Nur keine falsche Scheu, Fahrradbenutzer auf Gehwegkreuzzug suchen nach Konfrontation und wollen es nicht anders.
Als letztes sei noch die Landmine der Großstadt erwähnt: Hundehaufen. Treten immer da auf, wo man hintritt. Dieses biologische Kampfmittel wird von allen Hunden verbreitet und es gibt viel zu wenige Minensucherhundebesitzer, um diesem Problem Herr zu werden. Ein waches Auge ist das einzige Mittel, das Katastrophen verhindern kann.
Kapitel 5: Hilfsmittel
Es gibt nicht viele Dinge, die dem Gehwegbenutzer in einem täglichen Kampf helfen, aber diese seien hier aufgezählt.
Tragbarer mp3-Player + Kopfhörer: Sehr gut für jeden Zweck. Das Ignorieren der Störelemente wird vereinfacht, die meisten Rentner werden entwaffnet und Lautstärkeangriffe haben keinen Effekt. Zu beachten ist, das die Kopfhörer Pflicht sind, da sonst Extremisten schnell mal zum Angriff übergehen können.
Schrotflinte: Hervorragend geeignet zur Entfernung aller genannter Gegner, dieser Segen der Waffenindustrie schützt und kuriert gleichzeitig den geschundenen Geist. Allerdings ist der Nutzen der Schrotflinte nur in rechtsfreiem Raum zu empfehlen, alles andere kann zu einer starken Limitierung zukünftiger Missionen führen.
Sprenggürtel: Vorteil dieses Mittels ist die weiträumige Beilegung aller Gehwegprobleme. Nachteil ist das er nur einmal benutzbar ist und einen finalen Beigeschmack hat.
Zen-Meditation: Erhöht die Geduld und macht Ignorieren einfacher. Allerdings kommt man sich wie ein Idiot vor und es ist eine zeitraubende Beschäftigung.
Hass: Im Geiste vorstellen, wie man Probleme auf die Steinzeitmethode löst. Gut um durch den Tag zu kommen, kann allerdings zu Nebenwirkungen wie Amoklauf, Selbstmord und Schreikrämpfen führen. Immer schön die Ruhe bewahren!
Kapitel 6: Abschließendes
Die Welt ist schlecht und überbevölkert, das weiß jeder. Doch wie oben beschrieben, gibt es viele Möglichkeiten, den täglichen Konfrontationen zu entgehen. In der Zukunft gibt es sicherlich Lösungen für alles, also lasst uns Hoffen, das Krankheit, Krieg und Idiotie fortschreiten und wir es noch erleben, das Gehwege wieder frei und die täglichen Missionen angenehm werden.
Blaze
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