Sturm der Eldar
Kapitel I: Leben oder Tod, nicht unsere Entscheidung
Der Planet Arkanes galt als ein wenig fruchtbarer Planet. Die spärliche Vegetation wurde von weiten Ödlandteilen abgeschnitten und trotz dieser Tatsache siedelten die unverschämten Menschen auf dieser Welt. Ihre Gier nach Ressourcen hatte sie in Windeseile viele Städte errichten lassen und noch viel gewaltigere Bergwerke in die Eingeweide des Planeten treiben lassen. Die Eldar auf den versteckten Weltenschiff Vo'Khan beobachteten das Treiben der Chem-Pan-Say mit einen gewissen Zweifel, waren sich aber soweit sicher, dass ihre Heimat im nahen, gewaltigen Eisnebel Ventis verborgen blieb. Noch sah das stolze Volk der Eldar keinen Anlass zu intervenieren, dies änderte sich aber rasch, als plötzliche Hunderte von Hilfe-Funksprüchen über den Planeten schossen und in die weiten des Weltraums ausgestrahlt worden. Diese Sachen konnte die Eldar nicht mehr ignorieren und entsandten ihre Warpspinnen aus, um die Angelegenheit zu untersuchen.....
Vorsichtig beugte sich Anuvìel zu einem weiteren Leichnam runter. Die erfahrene Warpspinne hatte ihre volle Kampfrüstung an und wagte es nicht einmal den Helm abzusetzen, aus Angst vor einer möglichen Infektion von den entsetzlich zugerichteten Toten. Irgendetwas war hier vorgefallen. Sie wusste nicht was, aber es machte ihr Sorgen. Auch wenn Anuvìel nur Verachtung für die Chem-Pan-Say hegte, so empfand sie doch ein wenig Bedauern für dieses Massensterben.
,,Verzeiht mir." drang eine verzerrte Stimme an ihr Ohr und ein erheblich größerer Warpspinne stand direkt hinter ihr.,,Berichtet, Teaven. Wie viele." stand sie mit einem leichten Ton der Anteilnahme wieder auf.
,,Nach unseren Messungen sind es über fünftausend Menschen. Die wenigen Überlebenden kämpften noch mit den Auswirkungen dieser....dieser...." rang der eigentlich ansonsten sehr wortgewandte Mann mit den Worten.,,...Seuche."
Für einen kurzen Augenblick leuchteten die ansonsten grünen Seelensteinen auf seinen blauen Brustpanzer rot auf, so als wäre Khaines Blut für einen winzigen Moment durch seine Adern pulsiert.
,,Wir wissen nicht, was es ist. Eine Seuche halte ich für vorschnell. Die Mutationen sind zu willkürlich." schaute sie auf einen toten hageren Chem-Pan-Say herab, aus dessen Wangen mehrere Tentakel gewachsen waren und dessen Finger sich zu entsetzlichen Klauen geformt hatten.
,,Vielleicht ein weiteres sinnloses, wie dummes Experiment dieser Menschen. Dieses minderwertige Volk liebt scheinbar die Selbstvernichtung." gab Teaven bissig von sich. Wo Anuvìel die Menschen verachtete, so hasste Teaven sie und er würde sie mit Freuden komplett ausrotten. Glücklicherweise konnte er seinen Zorn beherrschen, denn Selbstkontrolle war ein grundlegender Faktor einer Warpspinne. Ohne diesen, könnte jeder Sprung durch den Warp vielleicht der Letzte sein.
,,Möglich, aber ich glaube es nicht. Diese Menschen sind vor irgendetwas geflohen und seltsamerweise allesamt hier zu Tode gekommen. Warum flüchten sie aus ihren Städten ins Ödland? Haltet mich für wahnsinnig, aber ich schätze, die Antwort liegt hier irgendwo versteckt." hatte sie eine ihrer Eingebungen, was bei ihren Volk eigentlich keine Bedeutung hatte. Bauchgefühl, so etwas lächerlichem vertrauten nur die minderwertigen Rassen, aber doch keine Eldar, dachte Teaven, auch wenn er für seine kesse Partnerin mehr empfand als die bloße Freude am Dienst.
,,Also....ich weiß nicht, ob ihr Recht haben könntet, aber...." darauf drehte sich Anuvìel zu ihm um, denn es war offensichtlich, dass er wieder einmal mehr wusste als sie.,,Teaven." legte sie beide Hände an ihre Taille und wirkte dadurch sehr auffordern, was bei genauerer Betrachtung auch ein wenig lächerlich wirkte.
,,Ja. Also da ist schon etwas." öffnete er seine Handinnenfläche und dort befand sich ein purpurfarbender Kristall. Diesen schaute Teaven nur kurz an und der Kristall begann zu pulsieren. Wenige Sekunden später, strahlte er ein holografisches Bild in die Luft.
,,Es handelte sich um einen Überlebenden. Wir mussten "es" erlösen....aber schaut bitte selbst." erklärte er kurz, dann begann die aufgenommene Projektion.
Ein Mann, vielleicht um die vierzig herum, teilweise durch Pusteln und irgendwelche Schwellungen aufgedunsen. Anuvìel empfand Mitleid, allerdings nicht mehr, als man es einen verletzten Tier spenden würde. Dann hörte sie Teavens fordernde Stimme.
,,Was ist hier passiert, Mensch. Sprich schnell und ich erlöse dich von deiner Qual!" In diesem Augenblick platzte eine große Pustel oberhalb der Stirn des Menschen auf und eine schleimige, dunkelbraune, zähe Flüssigkeit lief über sein Gesicht. danach löste sich ein Teil der Wange des Chem-Pan-Say und rutschte ihm wie Wasser vom Knochen, so das man direkt in den Rachen des Wesens blicken konnte, wo sämtliche Zähne bereit durch dolchartige Fänge ersetzt worden waren.
,,Ein schwarzes Licht.......Wolken aus Insekten........schreckliches Lachen......dann....tot.....überall....." gab das entstellte menschliche Monstrum einige rätselhafte Wortfragmente von sich, als es sich plötzlich erhob und kreischend auf Teaven losging, aber ein gekonnten Schlag mit den an den Unterarmen befestigen Energieklingen beendete den Kampf. Dann endete die Projektion schlagartig. Selbst jetzt noch tropfte das seltsamerweise dickflüssige Blut des Infizierten von Teavens Energieklinge.
Anuvìel schien ein wenig verwirrt und wiederholte deshalb die Worte des Menschen.,, Ein schwarzes Licht.......Wolke aus Insekten........schreckliches Lachen......dann....tot.....überall. Das muss eine Bedeutung haben. Schwarzes Licht......möglicherweise die Waffe, aber wie passen die Insekten in dieses Szenario." dachte sie laut nach, was Teaven natürlich mit vollster Freude genoss. Schließlich mochte er kluge Frauen und gerade für Anvìel erwärmte er sich schon seit längerer Zeit, allerdings wollte er sie nicht direkt ansprechen, wahrscheinlich fürchtete er eine negative Antwort. Plötzlich traten aus kurz aufblitzenden Anomalien weitere Warpspinnen. Sie hatten einen Kreis um sie gebildet, wie es üblich war, so schirmten sie sich gegenseitig ab und konnten im Notfall schnell reagieren.
Die Meisten kannte sie nicht, wieso auch, schließlich waren sie nicht Teil ihrer Gruppe. Seltsam war nur, wo die Exarchinnen steckten. Anuvìel schaute sich um und auch Teaven bemerkte, dass hier etwas nicht stimmte.
,,Redet.....wo sind....." wollte er sagen, als die Warpspinnen zu lachen begannen und das in einem unbekannt aggressiven Ton.,,Was habt ihr....was ist mit euch....." fragte Anuvìel verwundert, als sie dann sah, wie aus den Helm des ihr nächsten Warpspinnen eine Art klauenbesetzter Tentakel gebrochen war.
,,Ihr seid infiziert...aber wie.....wie konnte....." rätselte Anuvìel und richtete ihre Monofilamentschleuder gegen diese Monster. Teaven tat das Gleiche, aber ihre Unterzahl war erdrückend. Gegen so viele konnte sie nicht bestehen.
Einer infizierten Warpspinnen lachte weiterhin dreckig und sagte dann mit deutlich veränderter Stimme.,, Infektion....nein....wir sind endlich frei von den Fesseln des Lebens. Wir sind der Anfang und auch euer Ende." dann hoben alle Infizierten ihre Monofilamentschleudern und wollten ihre die beiden verbliebenen Warpspinnen vernichten, als plötzlich ein Kreischen diesen Augenblick zerriss und einer der Infizierten mit einem Loch in der Stirnfront des Helmes, regungslos auf den Boden schmetterte und dort liegen blieb. Anuvìel blieb genauso ruhig und kalt wie Teaven, denn beide hofften nun, dass diese Infizierten einen Fehler machen würden und das taten sie auch. Verwundert blickten sie sich nach den unbekannten Schützen um. Diesen winzigen Augenblick der Unachtsamkeit nutzten die Beiden und warfen ihre Energiegranaten auf Boden, nur um im selbiger Sekunde im Warpraum zu verschwinden und einige Meter wieder aufzutauchen. Gerade als sie wieder auftauchten, explodierten die Granaten in einer grellen Schockwelle. Diese erfasste die Infizierten, aber schien keine Wirkung gehabt zu haben. Allesamt standen sie noch.,,Amüsant, aber nutzlos." betätigte einer der Infizierten seine Zwillungsschleudern, aber bis auf kurzes Zischen passierte nichts. Die Waffen waren durch die Energiegranaten außer Funktion. Entsetzt schaute der infizierte Warpspinne auf seine Ausrüstung, denn nichts schien mehr zu funktionieren.
,,Nein. Das war sogar sehr nützlich." sagte Teaven erheitert und nickte seiner Begleiterin zu. Gleichzeitig aktivierten sie ihre Monofilamentschleuder und ließen einen tödlichen Sturm aus Energiegeschossen auf die Infizierten los. Diese hatten es begriffen und griffen nun kreischend mit ihren Klingen an, aber sie waren zu weit entfernt und wurden schnell Opfer des Beschusses. Als auch der Letzte von ihnen in den Staub sank, schnaufte Anuvìel erleichtert auf. Doch ihr kurzer Sieg wurde von einem langsamen Klatschen unterbrochen. Blitzschnell drehten sie sich um und dort auf einen flachen Stein, umringt von menschlichen Leichen, saß eine Gestalt.
,,Gratuliere.....wirklich. Das war sogar fast ansehnlich." sagte der Fremde und lüftete seinen grünen Mantel. Sofort erkannten die beiden Warpspinnen ihn. Ein Ranger. Die Weltenwanderer, so wurden sie genannt. Frei von sämtlichen Zwängen und Regeln, aber auch immer auf sich gestellt. Ein Leben in Einsamkeit.
,,Wer bist du?" forderte Anuvìel eine Antwort und war nicht gerade zimperlich, da sie ihre Waffe auf den Ranger richtete. Das Risiko auf einen weiteren Infizierten war ihr zu groß. Teaven versuchte zu schlichten.,,Ganz ruhig. Er hat uns gerade geholfen." aber das konterte sie mit einem:,, Oder daneben geschossen." darauf hatte Teaven keine Antwort parat, deshalb wandte er sich nun auch den Ranger zu.
,,Ganz ruhig. Ich bin Aken'Ven'Dar und sollte mich hier ein wenig umsehen. Zum Glück für euch." stand der drahtige Mann auf. Sein langer, grüner Chameolinmantel wehte im aufkommenden Wind und ließ ihn etwas mysteriös wirken, dass änderte sich aber nach seinen nächsten Satz.,,Die Kleine hat ja richtig Feuer." schnallte er das Jagdgewehr auf seinen Rücken. Vielleicht mochte Anuvìel paranoid sein, aber sie mochte wetten, dass dieser Kerl nun unter seiner Maske grinste.
,,Umsehen? Das glaube ich dir nicht." ging Teaven einen Schritt auf ihn zu.,,Kein Ranger sieht sich nur um. Du weißt mehr, als du uns sagst." beendete er seinen Verdacht.
,,Erwischt." sagte Aken'Ven'Dar knapp und setzte dann fort.,,Die Menschen stammen aus einem kleinen Ballungszentrum im Osten. Es sind nur wenige Kilometer von hier. " Die beiden Warpspinnen genügte diese Information nicht und wahrscheinlich wären sie auch sofort aufgebrochen in Richtung dieser Siedlung, jedoch wog der Verrat der eigenen Kameraden schwer und sie mussten die Runenprophtin auf dem Weltenschiff Vo'Khan kontaktieren. Aus Sorge selbst infiziert zu sein, würden sie keinesfalls versuchen das Netz der Tausend Tore zu betreten. Sie mussten wohl oder übel einen getarnten Funkspruch an das Weltenschiff absenden, aber leider reichte ihre Ausrüstung dafür nicht aus.,,Gibt es hier eine Funkanlage der Menschen?" wandte sich Anuvìel plötzlich an den Ranger.
,,Ja, sie liegt ein nicht weit von hier. Im Norden gibt es eine kleine Station. Ich kann euch hinführen, wenn ihr das wollt." bot sich Aken'Ven'Dar an, obwohl sich die beiden Warpspinnen seiner nicht sicher waren, hatten sie wohl keine andere Wahl.
,,Gut. Führe uns." erwiderte Teaven auf das Angebot und fügte noch in Gedanken hinzu."Verrate uns und ich werde dich wie einen Menschen erlegen"
Dann machte sich das ungleiche Trio langsam auf den Weg in Richtung Norden, immer wieder die vielen Fragen dieses Rätsels in ihren Kopf klärend. Was war hier passiert? Wie konnten sich ihre Brüder und Schwestern trotz der Ausrüstung infizieren? Wo waren die Exarchinnen?
Fortsetzung folgt......