Angelehnt an den so schön funktionierenden "Warhammer in Augenblicken" will ich hier all die tollen Kurzgeschichten sehen, die eben nicht ins Warhammer-Universum gehören.
Ich schlage vor, dass wir die Geschichten hier in Verdana reinposten, damit sie leicht von den Comments zu unterscheiden sind.
Viel Spaß beim Schreiben und Kommentieren!
Ich mache gleich den Anfang mit einer Geschichte, die ich vor... Uff... 6? Jahren geschrieben habe.
Die Einzimmerwohnung
Wieder beginnt der Nachbar zu krakeelen. Jeden Morgen das gleiche Spiel. Draußen scheint die Sonne, der Nachbar macht Lärm. Ihr Rücken schmerzt von der harten Matratze, auf der sie versucht hat zu schlafen, und die Spülung ihres Klos tropft wie schon die ganze Nacht hindurch. Sie streckt ihre übermüdeten Arme, ihren Rücken. Dann steht sie auf um einige Runden in ihrem kleinen Reich zu drehen, ihrer Beine zuliebe. Ihr kleines Reich? Das meint ein unverziertes Zimmer, mit einem harten, ungemütlichen Bett, einem kleinen Waschbecken an der Wand und einem tropfenden Klo mitten im Raum. Die Wände sind grau verputzt, nirgendwo ein Spiegel, ein Bild oder auch nur eine Urlaubskarte zu sehen.
Das Geschrei des Nachbarn wird in seiner Penetranz kaum von der tropfenden Spülung des Klos übertroffen. Tropf-Tropf-Tropf. Sie geht zum Fenster und wirft einen Blick in den Himmel, wo die Vögel fröhlich fliegen, die Wolken über den Himmel streifen und die Sonne lacht. Es ist ein wunderschöner Sommermorgen. Und unten im Hof ist wieder die Sportlertruppe, die jeden Morgen so verlässlich dort ist, wie der Nachbar lärmt. Wie ihr das ewige Gejammer auf die Nerven geht. Seine Frau sei erschlagen, seine Kinder ersoffen, sein Hund verbrannt, sein Auto explodiert, sein Stoff alle und sein ganzes Leben verkorkst. Wie recht er hat.
Aber zum Glück braucht sie ihn ja nicht mehr lange zu ertragen. Was für ein erfreulicher Gedanke. Sie geht hinüber zum Waschbecken, wäscht sich, putzt ihre Zähne und es klopft an der Tür. Wird wohl das Frühstück sein.
Kanadische Lachshäppchen auf russischem Kaviar, dazu frische Spargelcreme aus Deutschland und französischer Champagner. Gern erinnert sie sich an die Zeit, als das alles zu einem normalen Frühstück gehörte. Schon damals fand sie es köstlich, egal was die Leute zu der Kombination von Lachs und Kaviar sagten. Doch heute wird es ihr besser schmecken als jemals zuvor. Denn sie muss nicht einen Penny dafür bezahlen.
Zum Mittag wird es einige zehnzausend Volt geben. Ebenfalls auf Staatskosten.