Zeit für Politik: Die Türkei und Armenien, die EU und Amerika

  • Aloha :)

    Auch auf die Gefahr hin, hier wegen dem Thema nicht besonders viele Antworten zu bekommen: Mich interessiert es schon seit langem, und jetzt wird es wieder aktuell. Die Rede ist vom Völkermord der Türkei an den Armeniern.
    Im Jahre 1915-17 (WW I.) kamen im Krieg 250.000 (türk. Angaben) bzw 1,5. Mio (armenische Angaben) bei Vertreibungen aus dem osmanischen Reich ums Leben. Für mich handelt es sich hier um ein Massaker bzw. wegen der Dimensionen und dem vorgehen um einen glatten Völkermord.

    Ja, ich benutze bewusst das Wort "Völkermord", denn dafür halte ich die Vorfälle auch, die damals geschahen. Jetzt, für normalsterbliche Nachrichtenkonsumenten wie aus heiterem Himmel kommend, gibt es plötzlich Zoff zwischen der Türkei und Amerika. Grund ist der Streit über eben diese etwas zurückliegenden (1915-17) Vorfälle. Kurz: Amerika hat in einer Resolution die Geschehnisse als Völkermord an den Armeniern anerkannt (es ging hierbei wohl eher um Parteipolitik als um Armenien selbst) und zog den Zorn der Türkei auf sich, die sich vehement gegen diese Bezeichnung wehren. Sie gehen jetzt sogar so weit, den türkischen Botschafter aus den USA zurückzuziehen: Das ist ein Akt, der politisch wohl eine extrem große, negative Bedeutung hat.

    Man mag sagen, dass das Timing der USA extrem unklug war, jetzt da auf ziemlich vielen, ziemlich heissen Parties tanzen. Zum Beispiel dem Irak. Man mag sagen, dass sie die Türkei dringend als Verbündeten brauchen und das nicht gerade die netteste Art ist.

    Aber dennoch wird mir der Führungsstil der Türkei immer unsympathischer. Ich sehe jetzt mal ganz von menschenrechtlichen Fragen ab, da verstehen sie sich mit den Ansichten der USA ja blendend. Aber dass immer noch ein so offensichtlicher Massenmord geleugnet wird, quasi wegen dem Ehrbegriff, dass kann ich nicht verstehen. Um jetzt vollends die Stammtischparolen rauszuholen: Und soetwas will in die EU? Dieses Verhalten tendiert meiner Meinung nach eher zu östlich-arabischen Vorstellungen als zur westlichen Aufgeklärtheit, auch wenn letztere in der jüngeren Vergangenheit Schaden genommen haben mag.

    Ich habe jetzt bewusst auf einen Stil zurückgegriffen, dem ich der Sache angemessen halte. Ich weiß, ich könnte und vielleicht sollte ich es auch drastischer ausdrücken, aber dafür ist die Angelegenheit zu ernst. Ich würde euch bitten, diesen Stil nach Möglichkeit zu wahren. Sagt mir bitte eure Meinung. Stehe ich mit meiner denn so allein da?


    Mistletoe, friend of foe, so black upon the moor
    Fallen leaves coloured red, blood of all the dead
    Into mist they'll take your soul, they'll take your heart
    And none of flames shall burn with the ravens dark

  • Ich kenn mich zwar jetzt nicht so gut im dem Thema aus aber ich sag mal meine Gedanken dazu.

    Amerika will sich also einmischen in dinge die schon fasst 100 Jahre zurückliegen und es nichtmal annähernd daran beteiligt war. Die halten sich eh schon seit Jahrzenten für die Weltpolizei und müssen überall sich einmischen (fast immer mit einem Krieg).
    Amerika war schon immer en sehr kriegerisches Volk und glauben sich gegenüber dem rest der Welt aufspielen zu müssen und die Muskeln spielen zu lassen. Da die Lage der Erde bereits so angespannt ist (Gefahr durch Terroranschläge, die Nukleare Messerklinge an den Hals der Russen und Amis, die immer knapper werdenden Rohstoffe) ist ein Krieg von größeren ausmasses meiner Meinung nach in den nächsten 10 ~ 20 Jahren sehr wahrscheinlich und die Amis haben derzeit sowas von die Nase vorn was Waffentechnik angeht... Militär und Waffen ist eben bei dennen ein Boomender Wirtschaftszweig.

    Und was schon immer eines der großen Ziele Amerikas war, ist die eroberung des Eurasischen Kontinents. Und wenn es zu einem Krieg kommt, glaub ich eher, das die Russen verbündete der EU sein wird als die Amerikaner... die brauen sowieso ihr eigenes Süppchen.

    Hab jetzt mehr über die Amerikaner abgezogen aber das ist wie ich derzeit denke. Ich bin auch nicht so politisch informiert also wenn ich jetzt kompletten Dünnpfiff abgelassen hab dan Entschuldige ich mich jetzt schon :rolleyes:

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    Edited once, last by La Guna (October 11, 2007 at 9:33 PM).

  • Ich finds immer ein wenig dämlich etwas, was fast 100 Jahre zurückliegt jetzt noch hervorzukramen und heiß zu machen. wem bringt das noch was? den betroffenen? deren angehörigen? eher nich.

    kann man nurnoch als vorwurf nutzen um n land zu "beschmutzen" und find ich ehrlich gesagt unnötig dadrüber noch so groß aufhebens zu machen

  • die türkei hat immer sehr empfindlich darauf reagiert, wenn jemand gewagt hat, die Geschehnisse als Völkermord zu betiteln. Ist etwa vergleichbar, als wenn man behaupten würde, Taiwan wäre kein Teil von China oder man würde den Dalai Lama zum Kaffee einladen... :D
    Bisher ist es halt hier nur nicht so aufgefallen, weil es für unsereins das Ende der welt und damit genauso spannend wie der berühmte Sack reis ist.

    Für Armenien ist das verhältnis zum Nachbarland Türkei wegen der geschehnisse wohl für immer gespannt.

    Auch interessant: Eines der Dinge, auf die Armenien am meisten stolz ist und welches damals bei der Expo in Hannover der Mittelpunkt des Armenienstandes war, ist der berg, auf dem den Legenden nach zu urteilen Noah mit seiner Arche angelegt hat (oder verwechsele ich da jetzt was? Egal)... Dieser Berg liegt dummerweise auch einige Kilometer HINTER der türkischen Grenze. Ich denke, dieser Berg wird auch immer ein Zankapfel bleiben...

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    Edited once, last by nickNaylor (October 11, 2007 at 9:39 PM).

  • Gut, dann gebt euch mal die Reaktion von der Türkei: Warum können sie nicht zugeben, dass vor 100 Jahren ihr Volk ein anderes abgeschlachtet hat? Weil es ihre Ehre oder die des großen Osman I. oder Turkman (??? wie auch immer) beschmutzt? Das ist absoluter Schwachsinn.

    Alles, was Amerika gemacht hat, ist, eine längst überfällige Tatsache festzustellen. Überall auf der Welt ist das längst anerkannt worden, nur die Politik zögert aus wirtschaftlichen und strategischen Interessen. Das wird von Stammtisch-Hartz4-Empfängern "Feigheit" genannt, ich halte es für schlimmer.

    Von daher verstehe ich eure Reaktion "soll man es doch liegenlassen" nicht, da auch von Türken häufig das totschlag-Argument aka Nazikeule gebraucht wird und ihre eigene Geschichte von offizieller Seite, und das ist wichtig, so sehr glorifiziert und reingehalten werden soll.

    Wer sich informieren will, hier ein Ausschnitt aus Wiki:
    "Am 24. April 1915 veranlasste die osmanische Regierung die Verhaftung und die Deportation armenischer Zivilisten in Istanbul. Ihre antiarmenische Politik mündete in der Ermordung von ca. 600.000 bis zu 1,5 Millionen Armeniern. Durch die Deportationen kamen etwa zwei Drittel der auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches lebenden Armenier ums Leben."

    Oder Wahlweise der Link. Man beachte die Überschrift.


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    Edited once, last by Asca (October 11, 2007 at 9:42 PM).

  • Quote

    Original von nickNaylor
    die türkei hat immer sehr empfindlich darauf reagiert, wenn jemand gewagt hat, die Geschehnisse als Völkermord zu betiteln. Ist etwa vergleichbar, als wenn man behaupten würde, Taiwan wäre kein Teil von China oder man würde den Dalai Lama zum Kaffee einladen... :D


    thumbs up dafür

    joa..die türkei und ihre "politk" das einzige, in dem sich ARMEE und Regierung einig sind, ist, dass die PKK-Rebellen totgemacht werden sollen..

    ansonsten droht die Armee (hier übrigens die gemäßigte Seite) alle nase lang mit Putsch, wenn die Regierung plötzlich Staat und Kirche wieder einen will oder so ne scherze..
    ich kanns schlicht nich fassen was die da für ne scheiße bauen und da ist das hier völlig egal..is doch nur politisches kalkül..

    @bloodlust
    bei solch strittigen themen bitte keine wiki verweise..

  • Ja, ich gebe zu der Wiki-Verweis ist etwas ungünstig. Kann auf die schnelle aber nichts finden, was zuverlässig erscheint. Das zeigt auch schon, wie mit dem Thema in der Vergangenheit umgegangen wurde.


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  • naja imo ist relativ egal obs 250k sind oder über eine million, beides ist imo völkermord und man sollte seine geschichte nicht verleugnen. ich halte die reaktion der türkei für falsch und vollkommen überzogen, besonders in anbetracht, was dort unten menschenrechtlich noch so im argen liegt.

    dass es gerade die usa jetzt (warum gerade jetzt kA) das feststellt halte ich maximal für unglücklich, aber sie haben damit einfach recht. Ich mein die vertreibung und ermordung von 100 tausenden ist völkermord, wie soll man das sonst nennen?

    man kann den usa ja vieles vorwerfen, aber eine geschichtliche feststellung zu treffen, die keinerlei politische konsequenzen ihrerseits erzeugt, kann man kaum als aufspielen als weltpolizei bezeichnen. Imo sollte man sie dafür einfach in den "Mann braucht Eier" Thread verewigen...

  • Natürlich ist das Völkermord !

    Es nur ein paar Unterschide warum die Türkei bisher damit so gut davon gekommen ist (im vergleich zu Deutschland)

    - die Vernichtung verlief eher "chaotisch" anstatt dem kalten, industriellen mit deutscher Gründlichkeit durchgeführten Holocaust

    - Armenier ? Wer ? Im vergleich im allgegenwärtigen WW2 stellt der Völkermord meistens nur eine Fußnote in der Geschichte des WW1 da.

    - Armenier lebten im Osmanischen Reich selber, genauso ist es mit den Millionen toten Chinesen und Russen die von den Kommunistin getötet wurden.

    - gibt es auf Grund der Zeit nicht gerrade so viel erschreckendes Bild und Videomaterial wie zum Holocaust

    - gibt es irgendwo einen "Zentralrad der Armenier" der nichts anderes macht als drauf zu lauern wieder um sich lauthals empören zu können ?

    c[_] - cup of care is empty -_-

    Edited 2 times, last by SeniorDingDong (October 12, 2007 at 10:31 AM).

  • Quote

    Original von Terromortis
    Ich finds immer ein wenig dämlich etwas, was fast 100 Jahre zurückliegt jetzt noch hervorzukramen und heiß zu machen. wem bringt das noch was? den betroffenen? deren angehörigen? eher nich.

    kann man nurnoch als vorwurf nutzen um n land zu "beschmutzen" und find ich ehrlich gesagt unnötig dadrüber noch so groß aufhebens zu machen

    Ein Land dass der EU beitreten moechte, aber wieder mit der Verschmelzung von Staat und Religion liebaeugelt, quasi permanent militaerische Konflikte mit Kurden hat und einen Voelkermord leugnet, sogar in den eigenen Schulbuechern... denke besonders Deutschland sollte da ordentlich nachtreten, kein Land hat soviel an seiner Geschichte zu knabbern und soviel dafuer getan alles aufzuarbeiten. Sollte die Tuerkei Mitglied der EU werden, ohne das Eingestaendnis diesen Voelkermord begangen zu haben (selbst die Japaner haben irgendwann zaehneknirschend ihr Gemetzel in der Mandschurei eingestanden) wuerde ich das als blanken Hohn empfinden. Und als Armenier waere mir das ganze auch recht wichtig...

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