Steam bald mit neuem DRM?

  • Es wurde ja spätestens seit Ubi-DRM vermutet, dass Valve härtere Geschütze auffahren muss um in Zukunft noch attraktiv für Publisher zu sein. Lange hat es auch nicht gedauert: Zukünftig wird Steam als Sicherheitsmaßnahme die "Identity Protection Technology" von Intel anbieten, es werden vom Prozessor erstellte Einweg-Passwörter genutzt. Dazu ein Kurzartikel von Gamasutra, Artikel zu IPT gibt es z.B. bei heise und golem.de.

    Natürlich ist das alles nur kundenfreundlich und optional, was verständlich ist da erst die neuen "Sandy Bridge" Prozessoren von Intel mit dieser Technologie aufwarten. Zu denken gibt jedoch diese Passage aus der offiziellen Pressemitteilung:

    Quote

    Steam Guard is available to third parties to incorporate into their own applications through Steamworks.


    Es steht also konkret im Raum, über Steam verbreitete Produkte zukünftig an einzigartige Prozessoren statt "nur" an einzigartige Konten zu binden. Damit das realisierbar ist, müssen AMD-Prozessoren dies auch anbieten (davon kann man ausgehen, schließlich ist AMD Mitglied des "TCG"-Interessenverbandes, der aus dem berüchtigten "TCPA"-Zusammenschluss hervorging und genau dies als langfristiges Ziel verfolgt), und die entsprechenden Prozessoren verbreitet genug sein um sie als Hardware-Voraussetzung deklarieren zu können. Theoretisch noch weit weg, aber die Zeit wird kommen.

    Die Meldungen Mitte Februar über die Wiederkehr von TCPA waren schon beunruhigend, dass Valve auf diesen Zug aufspringt ist hingegen weniger überraschend. In den letzten Jahren waren sie schließlich einer der Vorreiter, die DRM unter Spielern salonfähig gemacht haben, und wo man früher mit TCPA noch einen Proteststurm ausgelöst hat kann man sich heute mit dieser Technologie ins Licht der Öffentlichkeit wagen.
    Persönlich halte ich das für einen Alptraum, wenn ich als Nutzer gegenüber Dritten zusehends besser identifizierbar und damit kontrollierbar werden, während ich selbst so gut wie keine Rechte, Ansprüche oder Kontrolle gegenüber diesen habe.

    Alles halb so wild, oder fragt ihr euch auch "Who watches the Watchmen?"

    Mach schon Platz, ich bin der Landvogt!

  • soll das jetz heißen ich installier jetz en spiel und da wird mein prozessor regestriert
    und sobald ich meinen rechner upgrade oder en neuen kaufe kann ich das spiel nich mehr zocken ?
    oder wie soll ich das jetz genau verstehen ????


    "Eine Frau macht niemals einen Mann zum Narren.
    Sie sitzt bloß dabei und sieht zu, wie er sich selbst dazu macht."

  • Solang nicht automatisch die Hardware registriert wird ist das ok. Dann kann man selbst entscheiden ob man das nutzen will oder nicht.

    "Und dann hat jeder ps3 user, der was auf sich hält minimum 3 accounts (ich habe 5)." - Darksnow

  • Titel sollte ein Fragezeichen beinhalten (auch wenn es auch als Extra zur Kontensicherheit schon DRM ist, streng genommen ;)), habe das geändert.

    Imbaer, soweit ich gehört habe war der "Killerschutz" (abgesehen von den Testballons wie Silent Hunter) hauptsächlich für die "Hits" wie AC vorgesehen, und zumindest laut Amazon wird er da auch nach wie vor eingesetzt. Meinte aber das wurde mittlerweile auch wieder zurückgeschraubt... unterm Strich wohl der effektivste Kopierschutz bei Spielesoftware, aushebeln hat ja ~2 Monate gedauert!? Aus Publishersicht damit eindeutig erfolgreich.

    Zu dem Intel System, das ist jetzt natürlich noch Salamitaktik. Wer sich noch an TCPA erinnert, damals fiel man quasi mit der Tür ins Haus und damit auf die Schnauze, man hatte eben die Entrüstung unterschätzt. Praktisch exakt dasselbe kommt jetzt wieder, nur wurde man scheibchenweise herangeführt, und nach dem Schema wird das auch Valve mit Steam machen. Wo wäre sonst der Nutzen darin, das ganze Drittanbietern mit der Steamworks API zugänglich zu machen? Im Rahmen einer heutigen Vorstellungen wurden die Login-Infos eines geschützten Kontos veröffentlicht, wenn man versucht darauf zuzugreifen, bekommt man die Meldung dass das mit diesem Prozessor nicht möglich ist. Wenn Drittanbieter das nutzen (was Valve offiziell anregt), könnte eine ähnliche Meldung beim Starten eines Spiels kommen, wenn der verwendete Prozessor nicht zum registrierten passt. Natürlich klingt das jetzt noch nicht so schlimm, zumindest wenn man die Konsequenzen außer Acht lässt.

    Gibt jetzt auch einen Artikel von golem.de zur heutigen Vorstellung.

    Mach schon Platz, ich bin der Landvogt!

  • Und wie soll das vonstatten gehen wenn man den Prozessor wechselt? Was das ausspionieren angeht seh ich das nicht ganz krass (jedes Spiel mit Internet-Anbindung könnte das ohne Wissen des Ottonormal-spielers, wenn es ums sammeln von Infos geht), die Steam-Accountbindung halte ich aber eigentlich für vollkommen ausreichend. Klar werden die auch gecrackt, allerdings funktioniert da der Multiplayer afaik nicht, zumindest wenn er über Steamworks läuft.

    Erstmal abwarten, wenn sies einführen könnte ich eh nichts machen außer das PC-Spielen aufzugeben, da sogut wie alle Spiele die ich habe über Steam laufen ^^°

  • Man kann Steam Guard btw. schon testen. Einfach in den Steam Einstellungen die Beta aktivieren und Steam 3x neustarten, dann hat man in en Settings auch die Steam Guard Option.

  • Endlich komme ich mal wieder dazu das etwas zu ergänzen :)
    Denke der Startpost war etwas zu ausführlich, und nicht prägnant genug auf den Punkt gebracht. Es geht nicht primär um das, was gerade bei Steam anläuft (aber es ist ein guter Aufhänger), sondern um die Implikationen dessen, sozusagen das Gesamtbild. Drei Punkt lassen im Verbund die Alarmglocken schellen.

    1. IPT macht von einer "Manageability Engine" gebrauch, ein Miniatur-System im System, über das der Benutzer keine Kontrolle hat. Unter anderem kann sie anscheinend die erwähnten Einweg-Passwörter erzeugen, was noch abgefragt oder ausgeführt werden kann/wird ist weder von Valve noch Intel zu erfahren. Trusted Computing ahoi.

    2. Im Zuge der Vorstellung forderte Valve AMD auf, vergleichbare Funktionalität für ihre Prozessoren anzubieten. Das spricht schon sehr stark für Bestrebungen, dies langfristig als Standard zu implementieren.

    3. Ebenso werden Lizenznehmer/Geschäftspartner von Valve dazu ermutigt, selbst diese Technologie zu nutzen.


    Grundsätzlich kann dieses System ja durchaus Vorteile bringen, zwar weniger bei Steam-Konten, die faktisch eh wertlos sind, aber dafür z.B. zur Sicherung von Online-Banking. IPT und die ME bieten aber natürlich auch die Möglichkeit, seitens Dritter erheblichst Schindluder mit dem "eigenen" System zu treiben, daher dürfte die Technik eigentlich nur in begrenzten Fällen zum Einsatz kommen. Mit den aktuellen Bestrebungen öffnet man dem Missbrauch natürlich Tür und Tor, und es ist anzunehmen dass in Zukunft eine unüberschaubare Zahl an Unternehmen unkontrollierten Zugriff auf die Systeme ihrer Nutzer bekommen können.
    Als Endkunde sollte man sich genau überlegen, was es bedeutet wenn so ein System die Grundvoraussetzung für Online-Shops und ähnliche Internetangebote wird, und unbedingt über den Tellerrand des Eigennutz hinausschauen.

    Mach schon Platz, ich bin der Landvogt!

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!