Für die politisch Interessierten: (ökonomischer) Selbstmord als die dauerhafte Lösung hausgemachter Probleme

  • Lesenswert, und mit harten Fakten untermauert:

    Wenn man Politik in ein Bild fassen will, wird die Wirklichkeit immer überzeichnet, doch wenn ich diesen Versuch machen müsste, so fiele mir für den politischen Kurs von Angela Merkel und der Bundesregierung gegenüber den europäischen Nachbarländern folgendes Bild ein:
    Angela Merkel ist aus der Beletage im obersten Stockwerk eines lichterloh brennenden europäischen Hauses gesprungen und ruft im freien Fall allen Bewohnern der unteren Stockwerke zu: Springt mir nach, sonst verbrennt ihr elendlich, wie ihr seht geht es mir bis jetzt im Vergleich zu euch gut. Statt den Brand zu bekämpfen und die Brandstifter in Haftung zu nehmen, wählt unsere Kanzlerin den Sprung in den Abgrund, gerade so, als ob ein Selbstmord eine dauerhafte Lösung der hausgemachten Probleme wäre... [weiter]

  • Wieso Selbstmord? Eine Umverteilung steht ökonomisch früher oder später sowieso bevor, schau einfach in die Geschichte. Selbst dort sind die Menschen durchgekommen. Die Welt wird sich weiterdrehen.

  • Muss da masterchief beipflichten, scheint mir doch sehr überzeichnet. Und um mal bei dem Beispiel zu bleiben: Ist Verbrennen wirklich besser?

    Den Artikel halte ich btw für relativ bescheiden. Was wird kritisiert?
    1. Armut: Kann man sich noch was verbessern, aber selbst der Ärmste hier lebt noch ein gutes Stück besser wie der Durchschnitt in Osteuropa und die Armen in Südeuropa (die in der Nahen Zukunft noch rapide zunehmen werden, unsere eher nicht).
    2. Arbeitslosigkeit: Das Problem hat sich in 5-10 Jahren von selbst gelößt (mit Ausnahme von Menschen ohne Ausbildung, ist aber ne andere Sache).
    3. Zeitarbeit: Sicher nicht ideal, aber ein globaler Trend und zumindest besser als keine Arbeit.
    4.

    Quote

    Vergleicht man die die privaten Konsumausgaben Deutschlands mit denen unserer europäischen Nachbarn, dann wird deutlich, dass sich die privaten Konsumausgaben dort erheblich mehr erhöht haben als bei uns.

    Und wer kann jetzt seine Schulden nicht mehr bedienen? Man kann Geld eben nur einmal ausgeben.

    Gäbe noch ein paar andere Thesen zu denen ich was schreiben könnte wird mir aber zu viel. Fakt ist, dass wir erstaunlich gut durch die Krise gekommen sind und das liegt eben auch an der Politik der Bundesregierung. Wir sollten aber auch erkennen, dass das gleiche nicht für alle anderen Länder funktionieren kann. Und wir sollten aufhören denen weiter Geld zu geben (Mal von Transferzahlungen über die EU abgesehen), das wird dort nichts mehr mit dem Euro.

  • Muss da masterchief beipflichten, scheint mir doch sehr überzeichnet. Und um mal bei dem Beispiel zu bleiben: Ist Verbrennen wirklich besser?

    Den Artikel halte ich btw für relativ bescheiden. Was wird kritisiert?
    1. Armut: Kann man sich noch was verbessern, aber selbst der Ärmste hier lebt noch ein gutes Stück besser wie der Durchschnitt in Osteuropa und die Armen in Südeuropa (die in der Nahen Zukunft noch rapide zunehmen werden, unsere eher nicht).
    2. Arbeitslosigkeit: Das Problem hat sich in 5-10 Jahren von selbst gelößt (mit Ausnahme von Menschen ohne Ausbildung, ist aber ne andere Sache).
    3. Zeitarbeit: Sicher nicht ideal, aber ein globaler Trend und zumindest besser als keine Arbeit.
    4.

    Und wer kann jetzt seine Schulden nicht mehr bedienen? Man kann Geld eben nur einmal ausgeben.

    Gäbe noch ein paar andere Thesen zu denen ich was schreiben könnte wird mir aber zu viel. Fakt ist, dass wir erstaunlich gut durch die Krise gekommen sind und das liegt eben auch an der Politik der Bundesregierung. Wir sollten aber auch erkennen, dass das gleiche nicht für alle anderen Länder funktionieren kann. Und wir sollten aufhören denen weiter Geld zu geben (Mal von Transferzahlungen über die EU abgesehen), das wird dort nichts mehr mit dem Euro.

    Eins vorweg, ich habe den Artikel nicht gelesen, aber ich muss bei dem Post mal nachhaken.

    Zu deinem 2.: Erklär mal bitte genauer was du damit meinst. Haben wir in den nächsten 5-10 Jahren Vollbeschäftigung? Oder wie habe ich das zu verstehen?
    3. Zeitarbeit ist sehr oft nichts anderes also moderne Sklaverei. Auch bei "Vorzeigefirmen" wie DaimlerBenz etc pp.
    4. Richtig, die "anderen" haben "über ihre Verhältnisse" (ich hasse den Ausdruck eigtl, aber mir fällt grad kein besserer ein) gelebt. Der einzige Grund warum das möglich war ist unsere ach so tolle Gemeinschaftswährung. Und die "anderen" können ihre Schulden nicht mehr bedienen. Bloß bei wem haben die denn Schulden? Und was passiert wenn die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können?

    "..dass wir erstaunlich gut durch die Krise gekommen sind.."

    Verstehe ich das richtig, dass du damit sagen willst, die Krise ist vorbei? Wenn ja, dann bitte informier dich nicht nur bei SPIEGEL, FAZ etc. Denn da steht großteils nur das was man hören soll. Nicht das was wirklich abgeht. Es wird langsam nämlich erst richtig lustig.

  • Was diskutiert ihr überhaupt, dow.de is tot. :(

    Wenn es tot wäre, würde hier niemand mehr posten. Klar, es ist schon seit ner Weile sehr ruhig - aber das lässt sich irgendwo auch auf den Spielerrückgang unserer 3 Core Games zurückführen. Geblieben ist halt nur der harte, elitäre Kern :krml:.

  • Ich finde den Artikel ganz und gar nicht "übertrieben". Schau dir die Zahlen an, sie sprechen eine eindeutige Sprache. Aber man kann ja nicht verlangen, dass Wirtschaftspolitik von jedem verstanden wird.
    Bei satyre sehe ich durchaus Potential ;)

  • Ich finde den Artikel ganz und gar nicht "übertrieben". Schau dir die Zahlen an, sie sprechen eine eindeutige Sprache. Aber man kann ja nicht verlangen, dass Wirtschaftspolitik von jedem verstanden wird.

    Ich muss leider wirklich zugeben, dass ich von Wirtschaftspolitik nicht wirklich viel Ahnung habe, und ich lieber diesem Thema fernbleibe.
    Dennoch habe ich (natürlich kann ich mich auch irren) nicht den Eindurck, dass jetzt das Ende unserer "schönen neuen Welt" bevorsteht.
    Daher finde ich, dass dieser Artikel den Teufel an die Wand malt.

  • Wenn es tot wäre, würde hier niemand mehr posten. Klar, es ist schon seit ner Weile sehr ruhig - aber das lässt sich irgendwo auch auf den Spielerrückgang unserer 3 Core Games zurückführen. Geblieben ist halt nur der harte, elitäre Kern :krml:.

    Und selbst der is viel zu selten hier. Mir blutet das Herz. ;(

    Du lachsch, ich kennt heile!

  • Ich finde den Artikel ganz und gar nicht "übertrieben". Schau dir die Zahlen an, sie sprechen eine eindeutige Sprache. Aber man kann ja nicht verlangen, dass Wirtschaftspolitik von jedem verstanden wird.
    Bei satyre sehe ich durchaus Potential ;)


    ich hoffe du behauptest nicht das du wirtschaftspolitik verstehst.
    der artikel war zwas interessant, aber genau so flach wie das wirtschaftliche programm unserer bundesregierung. die zahlen lassen sich von einen geschickten schreiberling genauso schön als erfolg der regierung auslegen, im bezug auf die großen verlierer der krise...

    "Stop feeling my CHEST!" "It's really more of a grabbing motion..."


  • ich hoffe du behauptest nicht das du wirtschaftspolitik verstehst.
    der artikel war zwas interessant, aber genau so flach wie das wirtschaftliche programm unserer bundesregierung. die zahlen lassen sich von einen geschickten schreiberling genauso schön als erfolg der regierung auslegen, im bezug auf die großen verlierer der krise...

    Doch das behaupte ich.
    Deutschland wird langfristig der Verlierer der jetzigen Entwicklung in Europa sein. Oder kannst du mir sagen, wer unsere schönen Produkte kaufen soll, wenn alle sparen, die eigtl. ihr Geld für unsere tollen Produkte ausgeben sollen?
    Die Auftragsrückgänge in der Exportindustrie liegen bereits im anfänglichen zweistelligen Bereich - und das wird erst der Anfang sein.

    Ich glaube, dass hier einige den Text so "verschwörungstheoretisch" betrachten, da in den Print- und visuellen Medien zumeist ein ganz anderes Bild von Europa kolportiert wird - insofern will ich hier niemanden vorwerfen, er verkenne den Ernst der Lage. Wer sich kritisch mit den jetzigen Entwicklungen in Europa und Deutschland abseits der beschäftigen will, dem empfehle ich Ökonomen wie Heiner Flassbeck, Peter Bofinger, Paul Krugman, J.K. Galbraith...

    PS: Wer sich überdies für wirtschaftliche Kennzahlen interessiert... Querschüsse

  • Quote

    Zu deinem 2.: Erklär mal bitte genauer was du damit meinst. Haben wir in den nächsten 5-10 Jahren Vollbeschäftigung? Oder wie habe ich das zu verstehen?
    3. Zeitarbeit ist sehr oft nichts anderes also moderne Sklaverei. Auch bei "Vorzeigefirmen" wie DaimlerBenz etc pp.
    4. Richtig, die "anderen" haben "über ihre Verhältnisse" (ich hasse den Ausdruck eigtl, aber mir fällt grad kein besserer ein) gelebt. Der einzige Grund warum das möglich war ist unsere ach so tolle Gemeinschaftswährung. Und die "anderen" können ihre Schulden nicht mehr bedienen. Bloß bei wem haben die denn Schulden? Und was passiert wenn die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können?

    "..dass wir erstaunlich gut durch die Krise gekommen sind.."

    Verstehe ich das richtig, dass du damit sagen willst, die Krise ist vorbei? Wenn ja, dann bitte informier dich nicht nur bei SPIEGEL, FAZ etc. Denn da steht großteils nur das was man hören soll. Nicht das was wirklich abgeht. Es wird langsam nämlich erst richtig lustig.

    Zu 2: Ja wir werden eine Art Vollbeschäftigung für Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung haben haben, sollte unser Wirtschaftssystem nicht zusammenbrechen. Ganz einfach deshalb, weil die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, auf Grund der niederen Fertilität weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter nachkommen und die heutigen Arbeitslosen mit Berufsausbildung dann entweder wieder beschäftigt werden oder selbst im Rentenalter sind. Trotz Vollbeschäftigung kann es aber passieren, dass wir ein problem mit der Rentenversorgung bekommen (ist aber ne andere Sache).

    Zu 3: Ich gebe dir Recht, dass die Bedingungen bei Zeitarbeit nicht ideal sind und geändert gehören (s. Schweiz), aber sie mit Sklaverei zu vergleichen halte ich für übertrieben.

    Zu 4: Ja es lag am Euro das die Länder so lange so viel Geld ausgeben und so wenig einnehmen konnten (wenn auch nicht ausschließlich am Euro, Korruption und ein schlechtes Steuersystem spielen da auch eine Rolle). Aber ohne Euro wären es nicht die Dimensionen von heute.

    Und ja ich will sagen, dass Deutschland die Krise überstanden hat, wenn wir uns nicht selbst wieder hinnein manöverieren. Wir legen wohl in den nächsten Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vor. Für die meisten anderen Staaten trifft das aber nicht zu und wenn wir versuchen diese alle zu "retten" dann nehm ich zurück was ich oben gesagt hab. Deshalb mein Tipp, keine weiteren Transferzahlungen, keine Eurobons (zumindest heute nicht) und Euroausstieg für schwache Länder (zu ihrem eigenen besten).

    Und ich lese eig. kaum Zeitung. Ich studiere u.a. Politikwissenschaft hab dort also gezwungener Maßen mit "seriösen" Quellen zu tun. Wobei mein Wissen zu Volkswirtschaft auch begrentzt ist, das geb ich zu. Da muss ich mir auch Lösungsvorschläge von anderen anhören und bewerten.


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    Deutschland wird langfristig der Verlierer der jetzigen Entwicklung in Europa sein. Oder kannst du mir sagen, wer unsere schönen Produkte kaufen soll, wenn alle sparen, die eigtl. ihr Geld für unsere tollen Produkte ausgeben sollen?

    USA, GB, China und in Zukunft Indien und Ostasien. Genau die, die es heute zum größten Teil auch schon tun. Die letzten drei sind übrigens alles Märkte die in nächster Zeit noch enorm wachsen werden. Die kompensieren Griechen, Irländer, Portugiesen und Spanier locker.

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    Deutschland wird langfristig der Verlierer der jetzigen Entwicklung in Europa sein. Oder kannst du mir sagen, wer unsere schönen Produkte kaufen soll, wenn alle sparen, die eigtl. ihr Geld für unsere tollen Produkte ausgeben sollen?

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    USA, Japan, China, Indien, Ostasien. Genau die, die es heute zum größten Teil auch schon tun. Die letzten drei sind übrigens alles Märkte die in nächster Zeit noch enorm wachsen werden. Die kompensieren Griechen, Irländer, Portugiesen und Spanier locker.

    Ich wünschte es wäre so einfach. Die USA straucheln, genau wie China in eine womöglich länger andauernde Rezession, bzw. einer Phase geschwächten Aufschwungs. Bisher gingen um die 60% aller deutschen Exporte in das EU-Ausland - diese gewaltige Menge können diese Staaten gar nicht aufnehmen. Das werden diese Staaten auch tunlichst unterlassen, da sie sonst ebenso wie im Moment die Südperipherie Leistungsbilanzdefizite produzieren würden.

  • http://de.statista.com/statistik/date…rt-der-exporte/

    Da sind wie man sieht erstens wenig Euroländer dabei (40%) und zweitens was noch wichtiger ist keines von denen in denen der Euro in Gefahr wäre.

    Wie bereits oben erwähnt, können die USA und die anderen Staaten die Menge nicht kompensieren, ohne dabei selbst Leistungsbilanzdefizite aufzubauen.
    Sinnvoller als die krisengeschüttelten EU Staaten abzuschreiben, wäre es, deren Wirtschaft über Investitionen wieder anzuschmeißen - allerdings habe ich diesbezüglich auch keinen durchdachten Plan. Mir ist aber bekannt, dass in Spanien die Energiewende verschlafen wurde und dort hohe Summen für die Energieherstellung bzw. für den Import von Öl und Gas aufgewendet werden müssen. Da könte man zB ansetzen

  • Von welcher Menge redest du denn, keines der gefährdeten Länder der Eurozone ist in den Top 10. Da gibt es kaum etwas zu kompensieren. Und Indien und der Ostasiatische Raum kann das.

    Gegen EU Investitionen in diese Länder hab ich auch nichts, gibt es jetzt ja schon.

  • Von welcher Menge redest du denn, keines der gefährdeten Länder der Eurozone ist in den Top 10. Da gibt es kaum etwas zu kompensieren. Und Indien und der Ostasiatische Raum kann das.

    Der Fiskalpakt, der durchgesetzt werden soll, wird auch in den Ländern greifen, die Hauptabnehmer unserer Produkte sind. Durch die Einsparungen mutmaße ich, dass es dort zu Importverringerungen kommen wird. Schließlich sollen ja alle eine postive Handelsbilanz haben... Und wenn die EU eine positive Handelsbilanz hat, dann hat das Ausland zwangsläufig ein Minus vor dem Betrag stehen. Kein Land der Welt würde da ewig mitspielen, was auch nicht geht, da irgendwann die Insolvenz eines Staates mit den dazugehörigen Abschreibungen und Verlusten für die Exportnationen erreicht ist und das Spiel von vorne losgeht.


    Gegen EU Investitionen in diese Länder hab ich auch nichts, gibt es jetzt ja schon.

    Das ist richtig. Nur sind die Investitionen noch zu zaghaft und gering als das sie eine Wirkung entfalten könnten. Man müsste mal ordentlich Geld in die Hand nehmen...

  • Quote

    Das ist richtig. Nur sind die Investitionen noch zu zaghaft und gering als das sie eine Wirkung entfalten könnten. Man müsste mal ordentlich Geld in die Hand nehmen...

    Stimm ich dir zu. Nur fürchte ich, dass die benötigte Menge für all die betroffenen Länder selbst beim besten Willen nicht zu erreichen ist. Ich halte das wie gesagt auch für den richtigen Weg, nur in manchen Ländern nicht unter dem Euro und ich hab eben Zweifel das wir dazu in Lage sind selbst wenn wir wollten.

  • ...sollte unser Wirtschaftssystem nicht zusammenbrechen....

    Und ja ich will sagen, dass Deutschland die Krise überstanden hat, wenn wir uns nicht selbst wieder hinnein manöverieren.

    Genau da liegt der Hund begraben. Das System ist darauf ausgelegt alle 60-80 Jahre zu kollabieren. Einfache Mathematik, das kann man drehen und wenden wie man will. Die von Sachsenteufel verlinke Page ist z.B. eine gute Quelle für reale Statistiken. Nur so als Beispiel, gestern glaub ich wars, da kamen auf SPON mal wieder was über die Arbeitslosen in Deutschland. Dort ist die Rede von 2,9 Mio. Ich empfehl jedem mal google zu bemühen und nach den wirklichen Zahlen zu suchen. Da wird einem ganz anders ;)

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